Der Lord in der Provinz

Hallo reingemachtler,

bei Namen wie Siegfried Reich, Roy Präger, Diego Klimowicz, Edin Dzeko, Grafite und Mario Mandzukic gerät jeder VFL Wolfsburg-Fan in melancholisches Schwärmen – so könnte auch ich zu jedem dieser Namen etwas sagen:
Reich, der Torjäger aus der Region – heute mit Sportgeschäft in der Nähe Wolfsburgs war einer der ersten Namen der für einen jungen Fan wie mich Wiedererkennungswert hatte.
Roy Präger, der Aufstiegsheld – symphatischer Pavarotti-Hörer mit dem Hang zum Verrückten und heutiger Teammanager.
Gerne denke ich vergangene Zeiten im Stadion am Elsterweg. Klein, fast komplett unüberdacht aber mit einem gewissen provinziellen Charme ausgestattet.

Alberto Morata, Romelu Lukaku, Pierre Michel Lassogga, Mame Diouf, Matteo Destro.
Schwergewichtige Namen, fernab des kleinbürgerlichen Daseins, verkleidet als Zweite Bundesliga. Ich gebe zu, diese Namen haben nichts mehr mit dem VFL aus den Zeiten Reichs oder Prägers geschweige denn dem Stadion am Elsterweg zu tun, vielmehr sind sie stellvertretend für den Anspruch der Oberen nach mehr, nach dem Wunsch dauerhaft
zur Beletage der Bundesliga dazuzugehören.
Mir ist euer Gedanke in diesem Moment sehr bekannt: Der VFL wäre OHNE Volkswagen ein in grauen Gefilden dümpelnder kleiner Provinzclub der sich die angeführten Namen niemals leisten könnte. Das kann ich nachvollziehen, doch Hand aufs Herz: Es wäre doch fahrlässig, das mit lächerlichem Abstand größte Unternehmen der Region nicht als Sponsor im Rücken
zu haben und davon zu profitieren. Alternativ kann jeder gerne Hoobs fragen, wie diese Saison beim HSV ohne entsprechenden Geldgeber gelaufen wäre…;-)

Doch zurück zum Thema. Letztendlich ist keiner der oben genannten Namen, allesamt wochenlange Stammkräfte in den Spekulationen, in Wolfsburg gelandet. Die Gründe sind verschieden:
– Morata wechselte von Real Madrid zu Juventus und verletzte sich gleich in einer der ersten Trainingseinheiten schwer.
– Lukaku und Lassogga erlagen dem Charme ihrer Leihvereine und unterschrieben beide langfristige Verträge.
– Diouf verließ die niedersächsische Landeshauptstadt Richtung Stoke City und Destro, um den ich die Transfergerüchte nie verstand, verleibt verständlicherweise bei seinem Stammverein AS Rom, welchen er auch nicht zu verlassen vermochte (die sportliche Entwicklung gibt ihm auch recht).

Einmal Star und zurück

Lange stocherten Medien und Fans im Dunkeln, viele Namen wurden in Foren oder sozialen Netzwerken hinzugefügt, diskutiert, gefeiert, verrissen oder für Träumereien erklärt – der ganz normale Wahnsinn einer Transferperiode.
Nachdem der Lukaku-Blues sich langsam niederlegte dauerte es bis zu Beginn dieser Woche, bis ein weiterer spektakulärer Name seinen Namen in die Wolfsburger Medien fand.
So sehr Lukaku noch als (junges) Talent und zukünftiger Superstar firmiert, diese Attribute konnte der neue Name im Transferkarussell in der jüngsten Vergangenheit „eindrucksvoll“ abschütteln.

Niklas Bendtner. Ex-Talent. Entfant Terrible. Skandalprofi. Gescheitert mit 26.
So liest sich gegenwärtig sein CV – entsprechend verständlich, dass er Anfang August immernoch ohne Verein ist.

Doch nun ist es offiziell: Niklas Bendtner schließt sich dem VFL Wolfsburg an.
Was sich für viele wie ein schlechter Scherz anhört ist in meinen Augen eine Verpflichtung, bei der Allofs ein echter Coup gelungen sein könnte.
Warum? Ganz einfach – Bendtner ist, allen Unkenrufen zum Trotz, ein Spieler mit außergewöhnlichem Talent und kann fernab des Londoner Troubles in einer Stadt wie Wolfsburg ideal seine Karriere wieder in Schwung bringen. In einem Team mit erfahrenen und besonnenen Profis wie Naldo, Diego Benaglio und Ivica Olic kann er sich zudem gut untergebracht fühlen.

Meiner Meinung nach könnte dem VFL ein geläuteter Bendtner sehr gelegen kommen. Bas Dost hat bisher einigermaßen gute Ansätze gezeigt, findet sich allerdings zu Recht häufig nur auf der Bank wieder. Zudem ist sein Kopfballspiel es nicht würdig, als solches bezeichnet zu werden.
Ivica Olic wiederum hat, sehr zu meiner Freude, seinen Vertrag verlängert und wird auch diese Saison ein Torgarant sein. Für einen ambitionierten Erstligisten darf der Erfolg jedoch nicht in diesem Maße von der Treffsicherheit eines bald 35-jährigen abhängen.

Bendtner ist dem VFL kein großes finanzielles Risiko und wird in meinen Augen, vorausgesetzt er wird fit und bleibt dann verletzungsfrei, ein integraler Bestandteil des VFL werden.

Ich habe meine anfängliche Skepsis abgeworfen und freue mich sehr auf ihn im Wolfsburger Trikot. Sicherlich hat ihm sein Verhalten in der Vergangenheit einiges verbaut, doch das sollte niemandem das Recht geben, Bendtner eine faire Chance beim VFL zu verbauen geschweige denn aus der Entfernung ein Urteil über seinen Charakter zu geben.

Darum – Velkommen til Wolfsburg, Niklas

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5 Gedanken zu “Der Lord in der Provinz

  1. Noch eine kurze Anmerkung:
    Beim Erstellen dieses Eintrages veröffentliche ich diesen versehentlich auf meiner eigenen Seite.
    Ich hatte keine Absicht, Leser vom reingemacht-blog wegzulocken, vielmehr bin ich hin und wieder mit der Technik überfordert 🙂

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  2. Ich bin sehr gespannt wie Bendter sich bei uns durchsetzen kann. Der Eindruck, den er menschlich in den ersten Tagen macht, ist durchweg positiv. Hoffen wir, dass das so bleibt. Spielerisch brauchen wir einen wie ihn. Olic sorgt immer für Wirbel vorne, weicht aber dauernd auf die Flügel aus (auch gegen Darmstadt zu sehen) und da fehlt einfach jemand im Zentrum. Was Dost genau daran hindert dieser Spieler zu sein (Physis, Psyche oder Talent), das entzieht sich meiner Kenntnis. Er machte bei uns jedenfalls eine unglückliche Figur – hoffen wir also auf den Lord :).

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