Der HSV und die Medien

Sie haben es mal wieder geschafft. Krank, aber erfolgreich. Das größte Problem des HSV hat sich der Verein in den letzten Jahren selbst heran gezüchtet. Und damit meine ich weder die Probleme mit der medizinischen Betreuung noch die merkwürdige Beziehung zwischen dem Bundesliga-Dino und Herrn Kühne. Das größte Problem des HSV ist sein mediales Umfeld! Es ist die Hamburger Presse die seit Jahren erfolgreich Unruhe in diesen Verein bringt. Neustes Beispiel sind die jüngsten Aussagen von Investor Kühne, die so unverhältnismäßig Aufgebläht werden, dass jetzt sogar schon in unserem Reingemacht Forum darüber hitzig und emotional diskutiert wird. Ich werde in meinem heutigen Beitrag dazu Stellung beziehen, möchte aber die Plattform dieses Blogs dazu nutzen Euch allen ein wenig mehr Hintergrundwissen zukommen zu lassen.

Nachdem Bernd Hoffmann 2011 seinen Hut nehmen musste, übernahm ein neu zusammengestellter Vorstand die Aufgaben der Vereinsführung, der dieser Aufgabe schon am ersten Tag nicht gewachsen war. Und es wurde niemals besser. Der Hamburger SV war stolz darauf, dass seine Fans schon weit vor Herrn Hoffmanns Entlassung so viel Einfluss haben durften. Der aus 11 Personen bestehende Aufsichtsrat war immer mit mind. 6 Personen aus dem direkten Kreis der Supporters bestellt worden. Da für die meisten Abstimmungen zumeist eine 2/3 Mehrheit notwendig war, hatten die Supporters im Verein das sagen. Und das direkt und legitimiert. Das muss ja keinesfalls schlecht sein, für einige Fussballfans klingt das sicherlich wie eine Traumvorstellung, wie ein Paradies. Das könnte es theoretisch auch sein, aber leider kommt der Faktor „Mensch“ hinzu – und schon wird´s schwierig. Auf einmal „wichtig“ zu sein, verleitet viele Menschen dazu dieses Gefühl einer gewissen „Macht“ auszukosten und bloß nicht wieder hergeben zu wollen! Die Supporters träumten auf der einen Seite vom erfolgreichen, europäischen Fussball, wollten aber mit dieser ganzen „Kommerz-Kacke“ nichts am Hut haben. Am liebsten hätten sie die Arena wieder „Volksparkstadion“ genannt und wer einmal das Trikot mit der schwarz-weiß-blauen Raute ausgezogen hat um für einen anderen Verein zu kicken, der wurde Staatsfeind Nr. 1. So denkt ein Fan, so darf er denken. Aber so kannst Du in der heutigen Zeit keinen Verein in der 1. Bundesliga führen!

Einige Personen haben das erkannt und versuchten einen Kompromiss zwischen betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten und Fan-Träumen herzustellen. Sie wurden alle vom Hof gejagt. Egal ob das Aufsichtsrat Sergej Barbarez war – oder eben Bernd Hoffmann. Alle flüchteten bzw. wurden gefeuert. Zurück blieb ein verblendeter Aufsichtsrat, der sich zwar damit brüstete im Namen der Fans zu sprechen, der aber in all den Jahren schon längst den Kontakt zur Basis verloren hatte. Der HSV Supporters Club ist zwar über 70.000 Mitglieder stark, aber die Führung der Supporters scherte sich einen Dreck um die Belange der geschätzt 68.000 Mitglieder. Nur der wirklich harte Kern hatte Gewicht und wurde bedient. Das war ja auch der Nährboden der „HSV-PLUS Initiative“, aber das ist ein anderes Thema. Heute möchte ich Euch über das Verhältnis des HSV zu den heimischen Medien informieren, und dazu komme ich auch gleich. Diese ersten strukturellen Erklärungen sind aber wichtig, um die Komplexität zu verstehen.

Zurück zum Aufsichtsrat. Die Supportes sorgten dafür, dass in den letzten Jahren in den Aufsichtsrat nur noch Personen gewählt wurden, die entweder aus dem direkten Umfeld der Supporters stammten, die mit deren Gedankengut sympathisierten oder in Hamburg über medialen Einfluss verfügten. Als Vorstandsmitglieder wurden Personen gewählt, die keine Gefahr für die Supporters darstellten, allen voran der schwache und konturenlose Carl Edgar Jarchow. Ein völlig unbedeutender FDP Politiker, der auf seiner „Haben-Seite“ einzig und allein sein hanseatisches Erscheinungsbild für sich verbuchen konnte. Ansonsten lebte er ein typisches Politiker-Leben vor. Er wechselte seine Meinung so oft wie der Wind die Richtung wechselt. Er stand zu keinem Zeitpunkt für eine gute, visionäre Führung. Er wollte immer der „nette Herr Jarchow“ sein, was er bis zum Schluss auch schaffte, da er ganz am Ende seiner Amtszeit plötzlich ein Verfechter der Ausgliederung wurde. Was für ein Armutszeugnis…

In den letzten Jahren schafften es immer mehr merkwürdige Typen in den HSV Aufsichtsrat. Hier alle Trikot-Träger aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. In den letzten Jahren waren z.T. Personen im Aufsichtsrat die in der Hamburger Gesellschaft völlig Bedeutungslos waren und die nun auf einmal von der Gesellschaft und den Medien hofiert wurden. Ein Tisch im Szene-Lokal musste nicht mehr reserviert werden, Reporteranfragen zum HSV waren Alltag. Man war plötzlich wichtig. Das ist verführerisch. Das blendet, fühlt sich gut an. Und das wollten viele nicht mehr hergeben und ließen sich instrumentalisieren. Viele Jahre führte sogar ein Hamburger Journalist diesen Aufsichtsrat an – die Vernetzung zwischen dem HSV und der Hamburger Medienlandschaft war perfekt! Es war für die Hamburger Presse paradiesisch! Auf der einen Seite mehr oder weniger Ahnungslose Entscheidungsträger die sich ja über „Insider-Tipps“ von Sport-Journalisten freuten und als Gegenleistung exklusive Einblicke in die Arbeit des HSV Aufsichtsrates und des Vorstandes gewährten. Hier möchte ich nur auf das Stichwort „Maulwurf“ hinweisen. Es soll Sitzungen gegeben haben, wo ein iPhone eingeschaltet auf dem Tisch lag und der Journalist auf der anderen Seite der Leitung alles mitbekam. Wie sonst wäre z.B. zu erklären, dass es einen Live-Ticker beim Hamburger Abendblatt gab, als sich der Aufsichtsrat mit Felix Magath zu einem „Geheim-Treffen“ traf und über diesen Ticker berichtet wurde was besprochen wurde, wann Herr Magath einen Tee bestellte und und und? Das ist die eine Seite: Abhängigkeit der Aufsichtsratmitglieder von der Presse und das schöne Gefühl „wichtig“ zu sein. Auf der anderen Seite gibt es dann ja auch noch dieses Sprichwort, welches für die meisten Journalisten, und ganz besonders für den Springer-Boulevard-Journalismus am wichtigsten ist: „Only bad news are good news“. Was hatten die Journalisten davon wenn´s beim HSV harmonisch und ruhig zu ging? NIX! Geboren war der HSV-Chaos-Club!

Bis zu diesem Sommer gab es Dinge die jegliche Vorstellungskraft sprengten. Und vieles ist auch bis heute nicht behoben. Wie auch? So schnell kann man gewisse Strukturen nicht verändern. So gibt es z.B. einen „HSV-Blog“, der in der breiten Öffentlichkeit auch als offizieller HSV-Blog wahrgenommen wird, in Wirklichkeit aber vom Hamburger Abendblatt betrieben wird. Dort wird seit Jahren mehr oder weniger Tag für Tag auf den HSV eingeschlagen. Spieler werden dort als Söldner betitelt und erst jüngst schrieb einer der Blog-Autoren davon, dass es bei den HSV Spielern mal eine „Säuberungswelle“ geben müsste. Der Blog hat mittlerweile mehrere Millionen Klicks pro Monat und ist zu einem der erfolgreichsten Fussball-Blogs aufgestiegen. Der Vater des Blogs, Reporter-Pensionär Dieter Matz, wird von anderen Medien als „HSV-Experte“ hofiert und das breite Volk kann in dem Blog Tag für Tag kommentieren und denunzieren was das Zeug hält. Ihr sucht nach einer extrem unterklassigen Unterhaltung mit Minimal-Niveau? Dann besucht doch den HSV-Blog einmal. Dieser Blog spielt bei der perversen Vernetzung zwischen dem Verein und den Medien eine exponierte Rolle!

So werden dort herrlich viele Gerüchte gestreut wenns mal nichts zu berichten gibt. Eines der jüngsten Beispiele ist das angebliche Interesse des HSV an dem niederländischen Abwährspielers Stefan de Vrij. Dies wurde eines Tages einfach mal im Blog behauptet. Ohne einen konkreten Hinweis oder Nennung einer Quelle! Am nächsten Tag schrieb dann das Hamburger Abendblatt in seiner offiziellen Print-Ausgabe, dass im „HSV Blog“ ein neuer Name gehandelt wird. De Vrij. Am nächsten Tag bedienten sich Bild und Mopp dieses Gerüchtes. Quelle war nun das Hamburger Abendblatt. Am nächsten Tag übertrug die ARD ein WM-Spiel der Holländer, und der ARD Kommentator erzählte den staunenden TV-Zuschauern während der Übertragung, dass der hoch verschuldete HSV und de Vrij schon in Verhandlungen stehen. Sensation!! Hatte sich der HSV zu diesem Thema bisher geäußert? Oder der Spieler? Oder der Spielerberater? Gab es auch nur einen klitzekleinen Hinweis darauf, dass an diesem Gerücht etwas dran war? Nein. Nein. Nein. Nein. So geht Journalismus heute…

Das Ziel ist klar. Der HSV soll nicht zur Ruhe kommen. Die neue Struktur im Verein hat bereits erste Erfolge erzielt. Den Aufsichtsrat der letzten Jahre gibt es nicht mehr. Der neue Vorstand arbeitet ruhig und unaufgeregt zusammen. Zur Freude der meisten HSV Fans, egal wie die kommende Saison auch ausgehen mag! Aber nicht zur Freude der Hamburger Medien. Die haben auf einen Schlag fast alle Kontakte und Quellen verloren! Oh mein Gott… was nun? Wenn man nichts mehr aus der Zentrale erfährt, dann muss man drum herum graben. Und so kommt dann auch ein Herr Kühne ins Visier. Herr Kühne, Spediteur, 6-facher Milliardär und eingefleischter HSV-Fan war ja schon früher für Schlagzeilen gut. Es müsste doch mit dem Teufel zu gehen, wenn man da nicht das nächste „Skandälchen“ hinbekommen könnte. Bei der Grundsteinlegung eines neuen Luxus-Hotels in Hamburg an dem Herr Kühne maßgeblich beteiligt ist, gab es natürlich auch eine mediale Berichterstattung. Statt aber viele Fragen zum neuen Hotel zu stellen, konzentrierten sich die Reporter mehr auf den HSV. Verrückt, aber nach meinen Informationen sollen bei der Hotel-Grundsteinlegung mehr Sport- als Wirtschaftsjournalisten anwesend gewesen sein.

Herr Kühne ist kein Kind von Traurigkeit und hat in der Vergangenheit schon des öfteren medialen Schaden angerichtet. Da aber sein geschäftlicher Ziehsohn und bevollmächtigter Stellvertreter der „Kühne & Nagel AG“ jetzt den HSV Aufsichtsrat führt, weiß Herr Kühne dass er sich medial zurückhalten muss. Fällt ihm sicherlich schwer, aber er hat es bis jetzt ganz gut hinbekommen. Und während er früher mal ganz gern laute Schlagzeilen provozierte, kommt er nun deutlich leiser daher. Den Blog-Autoren und den Journalisten die täglich Seiten in den Hamburgs großen Tageszeitungen füllen müssen, ist das aber natürlich nicht recht. Und so werden sehr gern schnell Mücken zu Elefanten gemacht. Bestes Beispiel sind nun die Aussagen des Herrn Kühne in dieser Woche. Ich zitiere einige Aussagen:

„Die Führung ist ausgetauscht, es sind die richtigen Leute dort. Ich glaube, Herr Beiersdorfer macht eine erstklassige Arbeit und ich bin hoffnungsvoll. Aber ich würde auch sagen, man muss diesem Verein und dieser Mannschaft jetzt viel Zeit und eine Chance geben.“

„Ich erwarte, dass sich die Mannschaft stabilisiert. Natürlich können sie keine Wunder bewirken, man muss Geduld haben, man muss sehen, wie die Mannschaft sich jetzt einspielt“

„Einen einstelligen Tabellenplatz wünsche und erhoffe ich mir schon. Und wenn es dann noch weiter nach oben geht, dann freue ich mich. Erwarten darf man aber weder das eine noch das andere“

Klingt das jetzt in Euren Ohren falsch? In meinen nicht. „Falsch“ ist nur das, was die Hamburger Medien daraus machen. Am nächsten Tag erschien im Hamburger Abendblatt folgende Überschrift: „Kühne erwartet einen einstelligen Tabellenplatz – mindestens!“ Wahnsinn, oder? Aber genau das wird jetzt von allen Medien aufgegriffen – sogar von unserem Reingemacht Forum 😉 Herr Kühne hat übrigens auch gesagt, dass er Max Kruse gut findet. Ihr könnt Euch vorstellen was heute in den Hamburger Medien los ist…

Ich kann nur hoffen, dass es dem HSV in den nächsten Wochen-Monaten-Jahren gelingen wird, wieder eine tragfähige Basis zu den Medien herzustellen. Ohne geht´s nicht, dass ist ganz klar. Aber aktuell sehen sich viele Medienvertreter als Verlierer der neuen HSV Struktur und tun so ziemlich alles um weiterhin viel Einfluss zu behalten. Mal sehen wie es in diesem Bereich weiter geht. Ich hoffe ich konnte Euch mit diesem Beitrag einen ganz guten Einblick in die besondere Konstellation zwischen Verein und Medien in Hamburg geben. Ich werde Euch gern in naher Zukunft ebenfalls noch mitteilen, wie ich die ganze Strukturdebatte beim HSV sehe und einschätze. Auch da wird ja vieles in einen Topf geworfen. Hier sei nur als Stichwort so genannte „Traditions- und Nicht-Traditionsvereine“ genannt. Ist Red Bull und Kühne nicht das gleiche? Zu all diesen Thema würde ich gern meine Sichtweise mitteilen – aber das muss nun etwas warten. Genug für heute.

Zum Schluss noch ein Hinweis. Natürlich habe ich Euch MEINE Sichtweise zum Thema „Der HSV und die Medien“ mitgeteilt. Das ist ja auch der Sinn eines Blogs. Und natürlich wird es zu diesem Thema auch konträre und andere Sichtweisen geben. Das ist legitim. Das ich aber nicht der einzige bin der so denkt, beweist u.a. eine Petition die vor kurzem gestartet wurde:  https://www.openpetition.de/petition/online/umbenennung-oder-abschaffung-des-hsv-blog-herausgegeben-vom-hamburger-abendblatt

Mit herzlichen Grüßen – Euer Hoobs

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3 Gedanken zu “Der HSV und die Medien

  1. Sehr guter Beitrag. Nachdem ich schon die Bildzeitung boykottiere gehe ich nun mit gutem Beispiel voran und werde auch nicht mehr den „Matz ab“ Blog lesen. Du hast in allen Punkten recht. Es ist total pervers. Nur der HSV!

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich könnte mir vorstellen, dass die Medien in der Großstadt Hamburg untereinander in einem großen Konkurrenzverhältnis stehen und sicher auch dadurch manche Schlagzeile aufgebläht und manches Gerücht vorschnell in die Welt posaunt wird. Ähnliches passiert in Köln zwischen Stadtanzeiger, Express und Bild, die sich alle neben den „normalen Tageszeitungen“ überbieten wollen. Die provozierte (und produzierte) Unruhe liefert da natürlich Stoff für weitere Themen und Schlagzeilen – beruhigen kann man das wohl nicht (mehr), viel mehr liegt es am HSV bzw. seinen Angestellten und Gremien, die Informationen intern zu halten.
    Dass die Presse (in einem gesunden Maße) natürlich auch eine berechtigtes Interesse, womöglich auch eine gewisse Verantwortung hat, sollte man auch nicht vergessen. Schön wäre natürlich, wenn sich gewisse Blätter und Medien dieser Verantwortung selbst bewusst wären.

    Gefällt 1 Person

  3. Interessanter Beitrag, das Thema Fußball und die Medien interessiert mich sehr! Da ich ja Schalke und Mainz verfolge, bemerke ich immer wieder was für ein krasser Unterschied im Umgang mit und von den Medien es gibt. Ich schaue mir mittlerweile jede PK an, denn es ist so interessant zu sehen was Trainer/Manager wortwörtlich gesagt haben und was dann die Presse daraus macht. Wäre schön wenn jeder Aussagen hinterfragt und nicht gleich auf bare Münze hinnimmt!

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