Mike Frantz ist nicht Maik Franz

scfAlso gut, ich gestehe: Als ich in der Sommerpause gehört habe „Mike Frantz wechselt zum SC Freiburg“, dachte ich zuerst auch spontan an seinen gleichlautenden Namensvetter Maik, und vor allem dachte ich: „Hää? Was wollen wir denn mit dem?“ Insofern mache ich da niemandem einen Vorwurf. Wenn jetzt aber sogar schon unser aller Lieblings-Fußball-Experte samt Moderator drauf reinfällt (zumindest zeitweise), ist vielleicht doch eine Klärung angebracht.

Mike Frantz ist nicht Maik Franz.

Maik ist der zweikampfstarke Beißer, dem gerne mal unterstellt wird, einen Zacken zu hart zuzulangen. Unterstellt „wurde“ muss man eigentlich fast sagen, denn aktuell ist Maik Franz vertragslos, nachdem er in der Saison 2013/14 kein einziges Spiel mehr für die Hertha gemacht hat, und im Winter in die Regionalliga-Mannschaft versetzt wurde (und auch dort nur zweimal zum Einsatz kam). Gut, er ist auch schon 33.

Mike hingegen ist 27 Jahre alt, gebürtiger Saarbrücker, und hatte zuletzt sechs Jahre lang für Nürnberg gespielt. Nun ist es mit der Nürnberger Mannschaft ja so: Wirklich mit Ruhm bekleckert hat sich da eigentlich niemand in der vergangenen Saison. Den berühmten „Sie sind trotz Peter Mustermann abgestiegen“ gab es eigentlich nicht, und wenn, dann höchstens, weil dieser Peter Mustermann verletzt auf der Ersatzbank saß (Hasebe fiele einem da ein).

„Was wollen die denn mit dem?“

Insofern war auch die Nürnberger Reaktion offenbar überwiegend sehr ähnlich zu meiner ersten spontanen Verwechslungsreaktion. („Was wollen die Freiburger denn mit DEM?“) Frantz war, soweit ich das von außen beurteilen kann, in Nürnberg durchaus beliebt, aber galt in der vergangenen Saison eher als limitierter Kämpfer unter dem Stichwort: „Hat sich stets bemüht…“ Anders gesagt: Durchgefallen. Vor allem, weil der Freiburger Fußballstil ja nun doch eher in Richtung feinerer Pässe geht, schien der technisch eher etwas limitierte Rackerer Frantz so gar nicht ins System zu passen.

Die ersten Testspiele und Trainingseindrücke sehen jetzt aber doch anders aus. „Präsenz“ bescheinigte ihm die Badische Zeitung. Zunächst mal: Frantz scheint sehr flexibel. Streich mag flexible Spieler. Er schafft es auch, einen defensiven Mittelfeldmann in den Sturm zu stellen (Guédé), oder wild Außenverteidiger mit Innenverteidigern zu tauschen (scheint eine Freiburger Marotte zu sein, hat ja auch ein gewisser Löw mit diebischer Freude getan). Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass im Freiburger System sowieso alle jederzeit alles im Blick haben und gleichzeitig agieren müssen. Da schadet etwas geistige Positionsflexibilität nicht.

Leerstelle zu besetzen

Zum anderen: Der Typ „eifriger Rackerer“ füllt sehr wohl eine Leerstelle im defensiven Mittelfeld der Freiburger. Kapitän Julian Schuster lässt sich zwar auch gerne mal in die Innenverteidigung zurückfallen, sieht seine Aufgabe aber auch dann eher in der risikoreichen Spieleröffnung. Und Vladimir Darida, der andere Mann für die Sechs, ist erst recht Kreativspieler. Gelson Fernandes wiederum hat den SC gerade verlassen. Wenn das System also nach einem etwas emsigeren Abräumer verlangt (und die Chancen dafür sind groß, zumal Stellungsspielgigant Ginter leider nicht mehr in den Innenverteidigung jederzeit dort stehen kann, wo er stehen muss) – warum nicht vielleicht mit Frantz? Und wie gesagt: Der flexible Frantz kann auch Acht spielen oder außen. Glaubt zumindest Streich. Und Frantz sagt dazu: „Ich spiele da, wo mich der Trainer hinstellt.“

Schließlich wäre es auch nicht das erste Mal, dass ein Spieler plötzlich unter einem anderen Trainer überraschenderweise aufblüht. Felix Klaus war auch so einer. Der kam aus Fürth, und wenn ich mich richtig erinnere, fragten die Fürther damals: „Was wollen die Freiburger denn mit dem?“ Mittlerweile hat er in einigen Spielen auf dem Freiburger Flügel geglänzt.

Und falls das alles nicht klappt: Ich kann auch mit einer Doppel-Sechs aus Schuster und Darida wunderbar leben.

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