Freiburg: 5 Erkenntnisse aus dem ersten Spieltag

scf Es gibt ein immer wieder neu zu beobachtendes Schauspiel am ersten Bundesliga-Spieltag: Fast alle Vereine spielen irgendwie noch etwas rostig, schwer in den Beinen und selten wirklich überzeugend. Die Sieger-Trainer des Auftaktspiels sagen dann: „Das Wichtigste ist, dass wir hier drei Punkte mitgenommen haben“, und die Verlierer-Trainer sagen: „Das Wichtigste ist, dass ich heute ein paar sehr interessante Fortschritte gesehen habe.“ Der SC Freiburg gehörte also dieses Jahr zur zweiten Kategorie. 0:1 in Frankfurt verloren, gegen eine Eintracht, die noch rostig und demzufolge froh war, drei Punkte mitgenommen zu haben. Für den SC bleiben nur die interessanten Erkenntnisse. Fünf davon jetzt hier.

1.) Unser neuer Torwart passt ins System: Während ich aufgrund eines Spieles noch keine Prognosen über Torwartreflexe und Verhalten auf der Linie abgeben will, erst recht da auch die Frankfurter alles in allem eher zahm im Angriff waren, lässt sich eine Sache sehr wohl feststellen: Der neue Torwart Roman Bürki hat Gefühl im Fuß. Er hat Ballbeherrschung, und er kann Abschläge beeindruckend gut platzieren. (Etwas, das wohlgemerkt nicht unbedingt die Stärke von Baumann war.) Kurz gesagt, er ist das, was man einen modern spielenden Torwart nennt, der einer Mannschaft erlaubt, gezielt hoch aufzurücken, um auf Zuspiele zu warten, oder sich im Notfall auch mal auf den mitspielenden Torwart verlassen zu können (ob er jetzt die algerische Nationalmannschaft alleine in Schach halten könnte lasse ich mal dahingestellt).

2.) Kempf überzeugt: Der zweite Neuzugang beim SC überraschte ebenfalls mit einem starken Auftritt. Und strafte mich gleich mal Lügen, der ich noch prognostizierte, ein so junger Neuling wie Kempf dürfte am Anfang nicht ran. Marc-Oliver Kempf, 19 Jahre, frischgebackener U19-Weltmeister, zeigte als Innenverteidiger gegen seinen Ex-Verein Frankfurt Übersicht, Pressingresistenz und eine angenehm überlegte Spieleröffnung. Die „Anlagen“ sind also da. Und die Frankfurter können sich wahlweise ärgern, dass die Kempf ziehen lassen haben – oder sie können darauf verweisen, dass Kempf noch immer kein einziges Bundesliga-Spiel gewonnen hat. Aber das kommt dann hoffentlich noch. Im Freiburg-Dress.

3.) Philipp macht Lust auf mehr: Maximilian Philipp ist kein Neuzugang, sondern kam aus der zweiten Mannschaft des SC nach oben. Er ist allerdings auch kein klassischer Freiburger Fußballschüler, sondern kam erst 2013 von Energie Cottbus. In der Regionalliga sorgte er zuletzt für zwölf Tore. Das erwartet niemand von ihm, aber er sorgte nach seiner Einwechslung gleich mal für Wirbel, für ein paar intelligente Läufe, und für das irgendwie beruhigende Gefühl, dass Freiburg die Talente nicht ausgehen. Auch das alles mit Vorsicht zu genießen, es gab auch schon andere Youngster, die nach ein paar hoffnungsvollen Spielen wieder in der Versenkung verschwunden sind. Aber, hey, erster Spieltag und so.

4. Der SC wirkt deutlich eingespielter… als vergangenes Jahr: In der vergangenen Saison mussten gleich mehrere Stammspieler ersetzt werden, und aufgrund der EL-Qualifikation wurden ein paar Leihspieler verpflichtet, die den Kader stärken sollten, ohne langfristig die Gehaltskosten aufzublähen (Coquelin und Pilar zum Beispiel). Das Ergebnis war ein ziemlich orientierungsloser Sportclub, und zwar bis weit in die erste Hälfte der Saison, bis Streich dann irgendwann zugab, er müsse seine taktische Marschroute vereinfachen. Ich gebe zwar zu, auch vergangene Saison habe ich mich von Spiel zu Spiel an scheinbaren „Fortschritten“ entlang gehangelt, und insofern besteht nach der 0:1-Auftaktniederlage kein Grund, dass diesmal alles wirklich anders ist, aber… ich glaube trotzdem, dass alles anders ist. Es sah anders aus. Wirklich. Die Mannschaft schien einen Plan zu verfolgen, und was fehlte, war nur mal wieder die alte, gut bekannte Durchschlagskraft. Was uns automatisch zu Punkt 5 bringt…

5. Freiburg braucht einen Stürmer: Admir Mehmedi war nicht fit. Das sah man selbst auf Zusammenfassungen, wo sich der Schweizer Stürmer auffällig häufig ans Bein griff, egal ob die Kamera draufhielt oder er irgendwo am Rande zu sehen war. Dass Mehmedi trotzdem spielte, lag vermutlich an der frustrierenden Tatsache, dass ein angeschlagener Mehmedi immer noch ein besserer Stürmer zu sein verspricht, als alle anderen Stürmer des Kaders (Freis, Zulechner, Guédé). Und das wiederum ist ein Alarmzeichen. Also braucht Freiburg nach wie vor das, was alle Bundesliga-Checks und Vorberichte schon seit Wochen schreiben: Mehr Torgefahr. Nur ließen sich die Freiburger Verantwortlichen bislang Zeit, mit der Begründung „der Stürmer müsse auch passen“. (Was ein nicht-passender Stürmer bedeutet, konnte man zwei Jahre lang bei Garra Dembélé sehen, dem vor Mehmedi teuersten Transfer der Vereinsgeschichte). Nun flattert heute gerade frisch die Meldung rein, dass Freiburg offenbar Dani Schahin von Mainz ausleiht. Allerdings habe ich von dem seit seinem Wechsel von Düsseldorf nach Mainz auch nichts mehr gesehen. (Kein Wunder, er war verletzt).

Fazit? Eine Menge ganz positiver, erfreulicher Erkenntnisse. „Das Wichtigste ist, dass wir uns gut präsentiert haben“, könnte man also bilanzieren.

Ich hoffe trotzdem inbrünstig, das müssen wir beim nächsten Spiel nicht trotzdem schon wieder sagen…

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s