Woanders ist auch nicht besser…

Natürlich bin ich froh gegen Augsburg gewonnen zu haben. Auch den Spielern und Verantwortlichen war die Anspannung anzumerken und wer die letzten Minuten gesehen hat, kann nicht leugnen, dass durchaus eine gewisse Nervosität und Verunsicherung nicht zu übersehen war und man hätte den Spielern liebend gerne „Konzentriert Euch endlich!“ zugerufen. Ich sah jedoch davon ab in das Spiel zu schreien, da die Chance gehört zu werden, nur sehr gering ist und eine solche Banalität im komplizierten taktischen Geschehen eines Fußballspiels eigentlich nur belächelt werden kann. Da also ein direktes Eingreifen vor Ort sehr schwierig ist, man sich aber trotzdem einbringen will, konzentriere ich mich auf die Dinge, bei denen die Chance vielleicht etwas größer ist, gehört oder gelesen zu werden.

Konzentration ist ein Zustand, der nur in den seltensten Fällen zu Schäden führt. Ich gehe sogar so weit, dass ein Mindestmaß an Konzentration fast alle Schäden abwenden kann und um diese Schäden geht es mir, wenn ich in diesen Tagen an meinen BVB denke.

„Konzentriert euch endlich!“ hätte ich am liebsten jedem Bekannten entgegnet, der mir seit Mittwoch freudestrahlend die „Rückkehr des verlorenen Sohnes aus Manchester“ als das größtmögliche Glück diese Welt verkaufen wollte. „Konzentriert euch auf die Wirklichkeit!“, nur das zählt wirklich.

Natürlich, um dies vorwegzuschicken, habe ich Kagawa geliebt. Seine Art auf und neben des Platzes hat mit gefallen. Auch seine Entscheidung nach Manchester zu wechseln, um seinen Kindheitstraum zu erfüllen, erwärmte das Herz der Fussballnostalgikers (Manchester ist ja nicht München, mein lieber Mario!) und man ließ ihn schweren Herzens gehen – man wollte ja keinem persönlichen Glück im Wege stehen und da muss man schon einmal die Interessen eines ganzen Fußballvereins hinten anstellen, der dabei war, ein Team aufzubauen, dass in der Lage schien, der übermächtigen Konkurrenz aus München langfristig etwas entgegenzusetzen.

Nun scheint es fast sicher, dass Kagawa zurückkommt. Nach zwei, für ihn persönlich eher enttäuschenden Jahren in England, in denen er von drei unterschiedlichen Trainern nicht für stark genug angesehen wurde,eine Stammkraft zu werden, erinnert er sich an seine bisher einzige erfolgreiche Zeit im Profifussball. Was könnte da schöner sein, zurück zu kommen und mit offenen Armen empfangen zu werden. Eigentlich nichts. Es scheint auch zu klappen, Fans und Verantwortliche stehen dem Wechsel durchweg positiv gegenüber – steht Kagawa doch irgendwie für die Zeit des BVB, in der man vor den Bayern stand. Nun aber ist, trotz der tollen und rührenden Geschichte des jungen Aufsteigers aus Japan, der berühmt wird, es aber nicht schafft seinen Traum zu erfüllen und dorthin zurückkehrt, wo er geliebt wird, ein wenig Realitätssinn, um nicht zu sagen Konzentration, gefordert. Wenn schon die biblische Geschichte bemüht wird, sollte man sie auch ganz lesen: der großmütige Vater, der den verlorenen Sohn aufnimmt, als sei er nie weg gewesen und hätte auch nicht sein Erbe durchgebracht, wird von den anderen Söhnen, die treu und fleißig bei ihm blieben, durchaus mit berechtigtem Unverständnis bedacht, zudem der verlorenen Sohn, der Bibel nach, seine ganzen Talente durchgebracht hat.

Ob Kagawa wirklich alle seine Talente durchgebracht hat, kann ich nicht sagen. Ich weiß aber sehr wohl, dass die Position, die er bekleidet, eigentlich gut besetzt ist. Eine Rückkehr würde wohl bedeuten, dass tolle junge Spieler wie Jonas Hofmann den Verein verlassen, was ich sehr schade fände. Auch könnte eine Verpflichtung bedeuten, dass der Abschied von Marco Reus doch näher bevorsteht, als man glauben möchte, was eine Katastrophe wäre.

Die Verpflichtung bringt also mehr Unsicherheiten mit sich, als ich eigentlich möchte. Ich bin kein Freund von Heimkehrern, klappt eigentlich nie – Podolski ist mit Köln abgestiegen, Sahin auch nicht mehr der Alte, sonst fällt mir keiner ein oder soll auch nicht einfallen. Niemand sollte zu einem Verein zurückkehren, den er aus freien Stücken verlassen hat, weil es woanders vermeintlich besser ist. Ich kann auf die Gefühlsduselei verzichten, konzentriere mich auf die Wirklichkeit – die mir eine knappen Sieg gegen Augsburg bescherte. Wo soll diese Träumerei hinführen, kommt Lewandowski zurück, weil der nächste Spanier dort verpflichtet wird, oder sogar M…G… -konzentriere dich, Paderborn führt gerade in Hamburg.

 

 

 

 

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