Vorne ist verdammt weit weg – Der Weg vom Kinderfussball zum Profi

Im Laufe meiner Trainerlaufbahn habe ich viele Kinder hautnah erlebt. Es gab manche, die das notwendige Talent, nicht jedoch den Ehrgeiz hatten – und viele bei denen es umgekehrt war.

Und wieviel ist fußballerisches Können tatsächlich Wert?

Zunächst ist einmal festzustellen, dass ein talentierter Kicker in einer durchschnittlichen Mannschaft mehr heraussticht als ein mäßiger Spieler in einem mit Talenten bestückten Team.

Eine talentierte Mannschaft wird in der Regel nicht in ihrem Jahrgang spielen, da sie ansonsten unterfordert wäre. Als gute Beispiele können hier die Nachwuchsleistungszentren der Profivereine dienen. Hier spielt meist ein Jahrgang 2007 in der Runde des Jahrgangs 2006 (im Kleinfeldbereich), um ausreichend gefordert zu werden.

Ein wichtiger Faktor ist hierbei der Trainer, der im Kinderfussball nicht nur fußballerische Werte sondern auch soziale Werte schulen muss/soll. Er ist Vorbild und im besten Fall fußballerisch vorgeprägt. In diesem Alter werden die Grundlagen für den weiteren Verlauf der Fussballererkarriere der Jungen Schützlinge gelegt. In großen Vereinen wird daher auch in diesem Bereich ein vom DFB geprüfter Lizenztrainer eingesetzt – anders in kleineren. Dort hat es viel mit Glück zu tun, wenn der Jugendleiter des Vereins überhaupt einen Trainer, meist einen Elternteil, gewinnen kann. Oftmals sind diese jedoch anfangs etwas überfordert, weil ihre aktive Zeit schon etwas zurückliegt bzw sie Kindertraining nicht vom Training eines Erwachsenen differenzieren. Hier hat der DFB ein Konzept entwickelt, indem Neulingen anhand von Lehrgängen (Jugendtrainerlizenz) oder anschaulichen Vorführungen (z.B. DFB-Mobil) diese Art des Trainings näher gebracht wird.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor ist das Elternhaus der Kinder.
Viele Eltern wollen garnicht, dass ihr Kind in einem professionellen Verein spielt. Hierbei spielt vor allem der Druck, den ein Kind oder Jugendlicher aushalten muss eine entscheidende Rolle. Ein weiterer Aspekt ist die Zeit. Meist trainieren solche Vereine zwischen 3 – 5 mal die Woche ohne Spiele und Turniere. Der FC Bayern zum Beispiel spielt mit seinen Jugendmannschaften im Kleinfeldbereich 3 Halbzeiten pro Ligaspiel und Turniere im ganzen Bundesgebiet. Die Unterkünfte der Spieler wird teilweise von den Vereinen übernommen – jedoch nur der Spieler.

Im Sommer zur Vorbereitung wird meist gegen andere Mannschaften der NLZ anderen Bundesligisten gespielt, sodass die Ferien statt zur Erholung von der Schule durch den Fussball „beschäftigt werden. Da man eine. 10jährigen als Elternteil nur ungern 2 Wochen allein durch Deutschland fahren lässt kann man, auf eigene Kosten natürlich, mitfahren. Pro Jahr kann somit ein vierstelliger Betrag für den Fussball auflaufen. Demnach muss das Elternhaus auch bereit sein ein gewisses finanzielles Risiko zu gehen – sollte die Profikarriere doch nichts werden.

Zu guter Letzt findet, sollte man Spieler eines Profivereins sein, wöchentlich Trainingseinheiten mit Probespieler statt. Hierbei gilt es immer sich im ständigen Wettkampf um den eigenen Platz im Kader zu behaupten. Ein zusätzlicher Stressfaktor, dem nicht jeder gewachsen ist.

Zusammenfassend kann man sagen, dass allein fußballerisches Können nicht ausreicht um später einen Platz im bezahlten Fussball zu haben.

Häufig wird diese Seite des Profifußballs etwas vergessen, wenn man Messi, Christiano Ronaldo oder Lord Niklas Bendtner bei der Arbeit zusieht.

Mit freundlichen Grüßen

Euer Fanti

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2 Gedanken zu “Vorne ist verdammt weit weg – Der Weg vom Kinderfussball zum Profi

  1. Wir hatten uns ja auf der Fahrt nach Hamburg letzten Jahres lange über den Jugendfußball, speziell über Dein Engagement unterhalten, na ja, Du hast erzählt und meine Ohren wurden immer größer. Deine Jungs haben Heim- UND Auswärtstrikots! Meine Meinung wie man es machen sollte hatte sich damals bereits bestätigt. Nur scheint das leider bei den ganz kleinen Vereinen wie bei „meinem“ TSV Bernhardswald leider unmöglich zu sein.
    Ich habe 2 Kinder die Fußball spielen und einen ehrgeizigen Trainer der 1ten Mannschaft die ich neben der Ersten Mannschaft betreuen darf.
    – Nein ich höre auf, sonst wird das ein Blogbeitrag und kein. Kommentar!

    Jedenfalls, Fanti ich will mehr von Dir zu diesem Thema lesen!

    Servus,
    Fossi

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  2. Hallo Fossi
    Das stimmt zwar, dennoch ist auch mein Verein ein kleiner Verein in einer Gemeinde mit 5.000 Einwohner ohne großen Geldgeber. Ein Pfund bei uns ist es vielleicht, dass Fussball bei uns die einzige Sportart ist, welche einen Großteil der Kinder und Jugendliche beschäftigt. Anders wie in Städten, die andere Probleme haben – von anderen Sportarten bis zu kirchlich, soziale und sonstige Aktivitäten

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