Adiós Ailton!

Weserstadion

 

„Der rennt wie eine Waschfrau.“ (Felix Magath über Ailton)

Leute! Gestern war es soweit: Aílton Gonçalves da Silva (41) gab seinen Abschied von der Fußballbühne – und das im Bremer Weserstadion. 42000 Menschen waren gekommen, einen denkwürdigen Nachmittag zu (v-)erleben. Voller Unbeschwertheit, Begeisterung und einer gehörigen Portion Nostalgie. Das ist dieser Tage nicht ganz so einfach in Bremen. Umso mehr waren wir Zuschauer und Fans von den längst vergangen geglaubten magischen Momenten im Weserstadion verzaubert, an diesem Nachmittag, der sich anfühlte wie eine Zeitreise zehn Jahre zurück, 20 Jahre zurück, ganz nach Belieben. Ailton hatte sein Abschiedspiel viele Monate vorher angekündigt und ebenso viele Freunde und Stars auf den Platz eingeladen.

Allein von der Double-Sieger Mannschaft von 2004 kamen Andreas Reinke, Mladen Krstajic, Valerien Ismael, Paul Stalteri, Ümit Davala, Frank Baumann, Fabian Ernst, Tim Borwoski, Krisztian Lisztes, Johan Micoud, Ivan Klasnic, Christian Schulz, Viktor Skripnik, Pekka Lagerblom, Holger Wehlage, Marco Reich, Markus Daun, Pascal Borel, sowie als Trainer Thomas Schaaf, Karl-Heinz Kamp und Dieter Burdenski. Auf der Gegenseite, der Südamerika-Auswahl (+Freunde) spielten u.a. Luis Hernandez, Naldo, Dario Rodriguez,Double Team1 Paulo Sergio, Dede, Giovane Elber, Rudolfo Cardoso, sowie Dieter Eilts, Torsten Frings, Sergej Barbarez, Stefan Beinlich, Frank Verlaat, Tim Wiese, Mario Basler, Patrick Owomoyela und Oliver Reck u.a.!

Bei diesen ganzen Namen, viele davon in Bremen Kultpersonen, lief es nicht nur mir vor Begeisterung kalt den Rücken rauf und runter. An diesem Nachmittag, so schien es, waren 20 Jahre Werdergeschichte zusammen auf dem Platz vereint. Allein: 10 Jahre nach dem Double noch einmal alle Meisterspieler inkl. Trainer Thomas Schaaf im Stadion zu sehen, zu erleben wie sie immer noch ein wenig den Zauber von damals versprühen.

Zu erleben, das jemand wie Thomas Schaaf, der vor nicht mal 14 Monaten vom Bremer Hof gejagt wurde, von den Fans nach wie vor empor gejubelt wird, wie einst Otto Rehagel. Zu erleben, wie ein Monster von Mann (Tim Wiese) mit über 120 kg Kampfgewicht nach Bremen zurückkehrt, wenige Jahre nach dem er gerne international gespielt hätte – und zu Hoffenheim wechselte. Und gefeiert wird, wie letztes Jahr beim Abschied von Thorsten Frings. Zu erleben, wie Urgesteine – echte Typen – wie Mario Basler ihre Freistöße und Ecken schießen, schlenzen, zaubern – und sich beim letzten Eckball erst einmal ein Bier aus dem Publikum holen. Typen zu erleben, wie Andreas Reinke, sichtlich gealtert, damals 2004 schon der Mannschafts-Papi irgendwie.

Aber auch zu erleben mit welchem Respekt das Bremer Publikum Schiri Babak Rafati bedachte, der von Stadionsprecher „Stolli“ angekündigt wurde. Beide übrigens waren in jüngerer Vergangenheit an einer schweren Depression erkrankt.

An diesem Nachmittag war alles wieder in Ordnung – ein glücklicher Ailton, 42.000 verzauberte, in Nostalgie schwelgende Fans und ein Thomas Schaaf, dem anzusehen war, dass er bei aller Freude das Kapitel Bremen so langsam auch abschließen möchte. Wer mag es ihm verübeln? Es war der perfekte Tag um einen Mann wie Ailton zu verabschieden. Und eigentlich auch der richtige Tag um die Vergangenheit zu ehren, sie aber auch hinter sich zu lassen. Dass die Menschen in Bremen an den alten Zeiten hängen, das haben sie wieder einmal deutlich gezeigt. Vielleicht war es für den ein oder anderen Fan noch einmal „nötig“ die alten Idole von vor 10 Jahren in den alten Trikots zu sehen, um noch einmal den Zauber zu verspühren, den man seit 10 Jahren immer weniger verspührt. Vielleicht konnte der ein oder andere Fan an diesem Nachmittag seinen Frieden machen und Geschichte Geschichte sein lassen.

Ich selbst habe mich an diesem Nachmittag so über die ganze alten Gesichter gefreut und über all das, was ich immer noch mit ihnen verbinde. Aber eines wurde mir auch klar: 2014 stehen andere Typen auf dem Platz. Junge Männer mit dem „W“ auf dem Trikot. Ailton soll vor wenigen Tagen zu Franco Di Santo gesagt haben „Du spielst für Werder Bremen. Und wenn du mit Herz spielst und arbeitest, dann helfen dir die Fans hier auch.“ Recht hat er, dieser Ailton. Nun hat er sich dort verabschiedet, bei dem Verein, der immer die Nr. 1 in seinem Herzen bleiben wird: Werder Bremen.

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