Kritisieren kann jeder!

Ich beschäftige mich sehr oft und sehr intensiv mit der Medienlandschaft in Deutschland, insbesondere mit dem Fernsehmedium. Es wird oft viel gemeckert und gemäkelt, gerade an der Arbeit der Live-Kommentatoren. In diesem Beitrag möchte ich mir einige Protagonisten in diesem Genre näher unter die Lupe nehmen und um mehr Verständnis für die Männer und Frauen vor der Kamera werben. Vorneweg: Ein in einer Fernsehübertragung gemachter Fehler, eine falsche Analyse oder ein falsch ausgesprochener Name ist gesendet. Punkt! Das unterscheidet die Rundfunkreporter ganz entscheidend von ihren Printkollegen. Bei denen wird der Text mehrmals gelesen, redigiert und inhaltlich perfektioniert. So entsteht am Ende ein sorgfältig ausgefeiltes Endprodukt. Würde jeder Printjournalist seinen einmal eingetippten Artikel veröffentlichen, wäre dieser ebenso mit Fehlern versehen wie eine Fernsehreportage. Jetzt mag man natürlich sagen „der Fernsehjournalist hat sich das aber so ausgesucht“. Stimmt! Aber da wir Deutschen (sorry fürs Pauschalisieren, nur leider trifft es auf den großteil der Bevölkerung zu) leider in 90 Minuten eines Spiels zwei Momente rauspicken die nicht gut waren, kommen negative Kritiken zusatnde. Damit muss man leben, auch wenn es ungeheuer schade ist.

Ich möchte mir hier in keinster Weise anmaßen, alles genau richtig zu beurteilen. Ich möchte lediglich meine Sichtweise auf einen guten und vor allem Tiefgängigen Journalismus darlegen.

Bevor ich in „Einzelanalysen“ gehe sei noch gesagt, welchen Anspruch ich an eine Sportsendung im deutschen Fernsehen habe, sowohl an die Bilder, als auch die Protagonisten vor der Kamera. Sowohl Reporter als auch das Bild sollten auf Ballhöhe sein, aber auch ein Stück weit die Stimmung im Stadion in die deutschen, schweizer, was auch immer, Wohnzimmer verfrachten. Die Fieldreporter sollten mehr aus ihren Gesprächen rausholen als ein 08/15 Interview. Und die Studioanalyse sollte eine Analyse sein, nicht mehr und nicht weniger.

Der erste, über den ich reden bzw. schreiben möchte ist der ZDF-Moderator Jochen Breyer. Vielen von euch wird er spätestens damit aufgefallen sein, dass er den Vulkan Klopp nach dem CL-Spiel bei Ream Madrid zum Ausbruch brachte. Wer sich nicht erinnert, hier der Link:  https://www.youtube.com/watch?v=LMQv8zMSxv4

Leider wird Herr Breyer von zu vielen Zuschauern nur auf diese Szene reduziert (was im übrigen mMn der falsche Ausdruck ist, später mehr), und das im negativen Sinne. Jochen Breyer arbeitet schon seit einigen Jahren in der Sportredaktion des ZDF, insbesondere für das aktuelle Sportstudio, welches er seit diesem Jahr moderiert. Mit Witz und Charme und einer positiven Ausstrahlung ist er immer auf Höhe des Geschehns und traut sich, im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen auch einmal Interviews in einem etwas kritischeren Ton zu führen. So geschehen auch an besagtem Abend in Madrid. Jeder, der Jochen Breyer in diesem Interview schlecht fand, soll mir unter diesem Blog einen Grund nennen, warum er sich falsch verhalten hat bzw. warum das Interview überhaupt schlecht war. Ich sehe keinen Grund. Breyer hat immer (!!) in einem höflichen Ton angeschlagen und lediglich eine Frage gestellt, welche nach einer 0:3 Pleite in einem Viertelfinal-Hinspiel nur allzu selbstverständlich ist. Jeder andere Reporter hätte sie, da bin ich mir sicher, genauso gestellt. Dass Klopp diese als Aussage formulierte Frage nicht passt ist auch klar, deshalb seine „Erruption“, um beim Vulkan zu bleiben. Aber sind es nicht diese Szenen, die die Interviews überhaupt interessant machen? Ein Interview welches aus der Reihe tanzt, ist für den Sender und die Zuschauer wesentlich mehr Wert bzw unterhaltsam, als ein 08/15 Interview. Oder warum gibt es kaum Interviews von Sami Khedira auf youtube? Und dafür lauter Highlightfeeds von Interviews von Thomas Müller oder Prinz Poldi? Das ist das was die Massen bewegt, und genau das möchte man mit einer Übertragung erreichen.

Wie man Sport im Fernsehen am mMn besten überträgt, zeigt Sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss (jaja ich weiß, es ist einfallslos ihn zu nennen. Aber es ist halt so). Er schafft es, während des Spiels alle wichtigen Komponenten einer Fernsehreportage zu verbinden. Zunächsteinmal ist er immer auf Ballhöhe, beschereibt und Analysiert das Geschehen auf dem Platz. Die ein oder andere Information geht ihm meist auch im richtigen Moment über die Lippen.  Sein großes Plus bei den Zuschauern, was ihn auch von vielen anderen Kollegen abhebt, ist seine Kabarettistische Art Fussball zu kommentieren. Der ein oder andere lapidar eingeworfene Spruch wie „Drama Baby“ macht das ganze lebendig und unterhaltsam für den Zuschauer. Auch seine Art, bestimmte Rituale oder Zeit in der das Spiel unterbrochen ist, ist so in Deztschland einmalig. Er bringt den Zuschauer zum schmunzeln, auch bei einem brenzligen Spielstand. Das wichtigste aber: Er transportiert als einer der ganz wenigen Kommentatoren im deutschen Fernsehen (neben Tom Bartels und Frank Buschmann) Emotionen und Stimmung ins Wohnzimmer. Während andere Kommentatoren ein Tor lapidar mit „Edu macht das fünfte“ kommentieren, erhebt er seine Stimme und geht richtig mit der Stimmung der Fans mit uns lässt sich von der Emotionenwelle mittragen, bleibt aber trotzdem weitestgehend neutral, es sei den es ist ein Championssleaguespiel mit deuscher Beteiligung, dann sieht da etwas anders aus…;-) unterm Strich sehr angenehm wie er seine Arbeit interpretiert. Man merkt ihm an, dass er Fussball lebt und liebt.

Im übrigen macht Wolff Fuss auch Fehler in seinen Reportagen. Es liegt immer im Blickwinkel des Betrachters, ob er etwas mag oder nicht, das steht außer Frage, Jedoch sollte man dabei immer Objektiv bleiben und vor allem eines: Fair! Auch die Männer und Frauen vor der Kamera sind Menschen die Fehler machen.

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6 Gedanken zu “Kritisieren kann jeder!

  1. Schade, ich dachte es geht noch weiter mit ARD etc. oder dem Länderspiel bei RTL
    Und zum Klopp Interview…natürlich kann er es genauso fragen…muß er wohl auch… aber Klopp muß auch exakt so reagieren. Wenn man schon ein Spiel im Vorfeld abschenkt… ist man der falsche Mann auf dem Platz

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  2. Also ich als Pro Evo Spieler gebe Wolff Fuss natürlich immer recht ;-).
    Aber hast schon recht, man ist wahrscheinlich immer zu Kritisch mit den Kommentatoren. Es hat halt jeder seine Ansicht von Situationen. Aber ich muss sagen das ich schon oft das Gefühl hab das die Kommentatoren dazu angehalten sind Schiri Entscheidungen für gut zu heißen. Klar bei ganz klaren dingern Widersprechen sie auch mal aber in der Regel richten sie ihre Meinung nach den Schiris. Egal was man in der Wiederholung sieht. Dazu kommt das ich oft empfinde das viele die Leistungen auf dem Platz absolut beurteilen. So das man vielleicht nicht nur von permanenten Weltklasse Pässen redet wenn Bayern spielt sondern einfach auch öfter mal schaut mit welchem Kader tritt der Gegner an und wie gut halten sie dagegen. Also auch mal Lob für die die ein gutes Spiel gemacht haben trotz 3:0 Niederlage.

    In Bezug auf Stadion ins Wohnzimmer holen finde ich Frank Buschmann immer sehr unterhaltsam. Aber mit dem Europa League schauen find ich immer geil.

    Zu Jochen Breyer muss ich sagen das mir die Situation gar nicht im Kopf war ich ihn aber trotzdem sehr Komisch finde.
    Also mein Typ ist der gar nicht. Und ich weiß auch nicht ob es das beste ist so einen doch noch sehr Jungen Aal glatten Typen
    nun Brisante Fragen stellen zu lassen. Selbst Olli Kahn wirkt immer etwas genervt. Aber gut jeder fängt mal klein an. Aber im Moment ist er mir noch zu Arrogant. Warten wir mal noch ein paar Jahre.

    Was sagst du/ihr eigentlich zu dem das Sat 1 jetzt Länderspiele zeigt. Also das in der Halbzeit nur noch Werbung läuft bin ich ja von Sky gewöhnt, aber das Jogi Interview mit 6 min Werbung zu unterbrechen ist einfach frech finde ich. Und muss ich im Monat jetzt nur noch 6 Euro GEZ zahlen?

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    • Sorry für die späte Antwort, habe mir gerade einige ältere Posts durchgelesen und dabei gesehen, dass m ich noch nicht auf dich reagiert habe. Jetzt aber:
      An sich sind die Reporter keinesfalls dazu angehalten, dem Schiri recht zu geben. Ich persöich glaube, dass sie es aus zwei Gründen tun: erstens liegt der Schiri meist richtig, von daher ist auch eine Zustimmung vom Kommentator folgerichtig. Andernfalls kann es auch damit zusammenhängen, dass viele Regeln (z.b. das Handspiel) so vielfach auslegbar sind, dass eine klare Stellungnahme schwer möglich ist, und es „einfacher“ ist mit dem Schiri zu gehen, weil man sich da nichz so stark erklären muss.
      Klar gehen bei Breyer die Meinungen auseinander (wie bei jedem Moderator), ich persönlich mag seinen Stil, verstehe aber auch, wenn man es nicht mag. Geschmackssache.
      Dass RTL mitten im Interview Werbung macht, ist hoch unproffessionell. Sie haben ja auch reagiert, und in den folgenden Spielen darauf verzichtet. Während des reinen Fussballspiels finde ich es garnicht so schlecht. Marco Hagemann macht seinen Job gut und auch Florian König macht seinen Job gut. Dass Werbung nervt, ist klar. Darauf ist RTL als Privatsender aber nunmal angewiesen, da kann/darf man ihnen keinen Strick draus drehen.
      Lg
      Daniel

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