Erste Hilfe Maßnahmen beim Sport – Teil 2

In Teil 1 der Erste Hilfe Maßnahmen bin ich neben der Vorbereitung auch auf den Inhalt der Eisbox eingegangen. An dieser Stelle möchte ich nun fortfahren.
Ich überspringe den lebensbedrohenden Teil des Erste-Hilfe-Kurses und gehe davon aus, dass der Spieler ansprechbar, also bei Bewusstsein ist.

Der Erstkontakt
Bereits in meinem ersten Erste-Hilfe-Kurs wurde mir immer und immer wieder eingetrichtert: „Ruhe bewahren. Wenn Sie an die Unfallstelle kommen, müssen Sie Ruhe bewahren!“ Und recht hatten sie! Denn Hektik und Nervosität überträgt sich ziemlich schnell auf den am Boden liegenden Verletzten, sei es bei einem Verkehrsunfall, oder während eines Fußballspiels.
Wenn man merkt, dass der Spieler starke Schmerzen hat, deutlich unruhiger als üblich ist, oder gar Angst bekommt, ist es wichtig ihn möglichst schnell zu beruhigen. Auch lässt sich die aktive Hilfe dann leichter und schneller durchführen. Als Ersthelfer soll man dem verletzten Sportler immer das Gefühl geben alles unter Kontrolle zu haben.

Zurück zu den eigentlichen Handgriffen. Es gibt zwei mir bekannte Verhaltensregeln, bzw. Eselsbrücken. Die eine ist die PECH-Formel und die andere die RICE-Regel. Beide beschreiben eigentlich genau das Gleiche.
Bei der PECH-Formel steht P für Pause, E für Eis, C ist eigentlich ein K und steht für Kompression und hinter dem H versteckt sich das Hochlagern.
Die RICE-Regel ist eine englischsprachige Abkürzung. Das R steht für rest und wird mit Ruhe übersetzt. Das I für ice, ist natürlich das Eis, das C ist die compression, also auch hier die Kompression und das E bedeutet elevation, übersetzt ist es das Hochlagern.

P wie Pause
Mit der Pause ist die Behandlungszeit auf und neben dem Platz gemeint.

Meine erste Frage gilt immer dem Schmerz: Wo ist der Schmerz und wie fühlt er sich an. Ist es ein stechender, drückender, ziehender, oder ein brennender Schmerz. Strahlt er aus, oder ist er nur an der betroffenen Stelle.

Die Art des Schmerzes, die Qualität und der Ort geben bereits Hinweise auf die Schwere der Verletzung.

Möglichst zeitgleich wird mit einigen wenigen Griffen die verletzte Stelle untersucht. Es werden vor allem Palpationen (Tastuntersuchungen) und Stabilisationstests durchgeführt. Falls es notwendig sein sollte, kommen noch dementsprechende neurologische Tests dazu.

Bei Kopf- oder Gesichtsverletzungen sollte IMMER kontrolliert werden, ob der verletzte Sportler bei vollem Bewusstsein ist. Die jüngste Geschichte, ich meine das Foul an Christoph Kramer im WM-Finale zwischen Deutschland und Argentinien. Diese Szene hat gezeigt welche Auswirkungen das haben kann.

Die Wundversorgung
Wenn die Verletzung mit einer offenen Wunde einhergeht, dann ist es selbstverständlich, dass diese zuerst versorgt und dabei steril Gearbeitet wird.
Sie wird zunächst gesäubert und anschließend keimfrei abgedeckt. Bitte wenn möglich keinen Sprühverband benutzen, denn falls die Wunde nicht wirklich sauber ist, schließt man die Tür und der „Dreck“ bleibt im Körper, der dann zu Infektionen führen kann.
 Zum Ausspülen und Reinigen nehme ich das in der Eisbox deponierte Elyth Fluid. Es kann aber auch jedes andere, ähnliche Produkt sein, das spielt überhaupt keine Rolle. Mir ist es wichtig, dass es nicht nur reinigend wirkt, sondern ebenso die Schwellneigung verringert und gleichzeitig die Wundheilung unterstützt. In der Box habe ich es deshalb, weil es gleich zur Hand ist und die kühle Lagerung die Wirkungsweise unterstützt.

E wie Eis – Die Schmerzbekämpfung
Hinlänglich zur Schmerzbekämpfung bekannt ist natürlich das Eis. So kennt jeder das Eisspray in der klassischen Spraydose. Allerdings bekommt man es auch in einer Glasflasche mit Hebelverschluss. Anders als beim Spray, mit dem man flächig und somit eine größere Fläche schneller vereisen kann, hat man mit dem Eis aus der Glasflasche den Vorteil „punktgenau“ arbeiten zu können.
Man sollte aber wissen, dass man hier mit Minus 20 Grad Celsius den Schmerz bekämpft. Deshalb gilt für beide, NICHT zu nah an die schmerzende Struktur gehen! 
Man liest in der Fachliteratur immer wieder einen Abstand von ungefähr 30 Zentimetern, an den man sich auch halten sollte. Neben dem zu geringen Abstand ist mir immer wieder die viel zu lange Sprühdauer aufgefallen, mit der der ungeübte Betreuer das Eisspray verwendet. Hier sollte darauf geachtet werden, dass in Sprühintervallen von ungefähr 10 Sekunden und längstens eine Minute „vereist“ wird.
Die Gefahr einer zu langen Vereisung besteht darin, dass es zu irreparablen Gewebeschäden kommen kann.
Eine Alternative zum Eisspray, oder auch zusätzlich kann man eine einfache Plastikflasche zum Kühlmittel umfunktionieren. Um damit den Schmerz zu bekämpfen füllt man eine Saft- oder Fahrradflasche zu zwei Dritteln mit Eis. Der Rest wird mit kaltem Wasser aufgefüllt. Man hat zwar nicht die gleiche Kühlleistung wie mit den Sprays, aber den Schmerz lindert es dennoch und ein weiterer Vorteil besteht darin den Sportler nicht nachhaltig zu verletzen und es ist deutlich billiger.
Falls der Spieler so stark verletzt ist, dass er auch nach der Schmerzbehandlung nicht mehr weiterspielen kann oder darf, dann erfolgt unmittelbar nach der ersten Diagnose ein Kompressionsverband.

K wie Kompression – Schaumgummiplatten gegen Schwellung und Einblutung
Man bekommt sie in einer Stärke zwischen vier und zwölf Millimeter. Ich nehme für die Erstversorgung am liebsten die 1 Zentimeter starken Platten die ich vorab für meine Bedürfnisse zugeschnitten habe.
Ich verwende sie auch als Salbenträger. Dazu mehr, wenn ich den Betreuerkoffer erkläre.
 Zum Komprimieren werden diese Schaumgummiplatten immer mit den elastischen Binden verwendet. Dadurch wird das schnelle Anschwellen, und oder das Einbluten in verletztes Gewebe, oder das Gelenk verhindert. 
Das Vermeiden der Schwellung ist deshalb so wichtig, damit es zu keiner deutlich verzögerten Heilung der betroffenen Strukturen an einem Muskel oder in einem Gelenk kommt. Das geschieht jedoch, sobald es zu besagter Schwellung oder Einblutung kommt. Auch eine möglicherweise erforderliche genaue Untersuchung kann dann zu einem späteren Zeitpunkt so unter Umständen nicht mehr vorgenommen werden.

2 Beispiele einer Kompressionsbandagierung:

Erstversorgung einer Muskelverletzung:

Für Muskelverletzungen schneide ich drei unterschiedlich große Quadrate oder Kreise aus den Platten, die ich dann mit Sprühkleber zusammenklebe.
Sollte es zu einer Prellung, Zerrung oder Schlimmeren kommen, kühlt man die betroffene Stelle zuerst mit Eis, um dann aber möglichst schnell diesen „Schaumgummiturm“ mit Hilfe der elastischen Binde gegen die betroffene Stelle zu drücken. Das heißt, mit dem kleinsten Quadrat gegen die zentrale Schmerzstelle, dort wird auch mit dem Anlegen des Verbandes begonnen. Die weiteren Bahnen werden im Wechsel von der Schmerzzentrale aus nach außen fortgesetzt.
 Dieses anlegen darf bitte nicht mit dem Abbinden einer Arterie verwechselt werden. Es soll ja nicht gleich amputiert werden. Dennoch ist ein deutlicher Zug von Nöten. Elastische Binden haben eine gewisse Dehnfähigkeit, welche man fast komplett ausnutzt. Übersetzt heißt das, so lange anziehen bis sich die Binde fast nicht mehr dehnen lässt. Aber aufpassen, es gibt Binden mit unterschiedlicher Elastizität. Bei stark dehnbaren Bandagen bitte nicht mit der maximalen Dehnbarkeit arbeiten, 75 bis 80 Prozent sollten genügen.
 Falls der Spieler einen sogenannten „Frosch“ (ein Schlag gegen die Außenseite des Oberschenkels) bekommen hat, wird der gesamte Oberschenkel ohne dem Knie eingebunden. Ebenso wird bei einer Verletzung der Wadenmuskulatur der Kompressionsverband um den gesamten Unterschenkel angelegt. Generell gilt für diese Art von Verletzungen: In regelmäßigen Abständen die Verbände mit Eiswasser tränken.

Erstversorgung eines lädierten Sprunggelenkes:

Man schneidet sowohl für die Innen- als auch für die Außenseite eine Platte zu einem Rechteck mit unterschiedlich langen Längsseiten und jeweils einem Loch in das Viertel mit den ungleich langen Seiten. Durch die beiden kürzeren Seiten wird die natürliche Bewegung im oberen Sprunggelenk nicht behindert und die beiden Löcher sparen sowohl den Innen- als auch den Außenknöchel aus. (Ich werde nie mehr über Bedienungsanleitungen herziehen! Das ist ja fürchterlich!) Auch hier gilt wieder, zunächst den Schmerz mit Eis lindern, um dann möglichst schnell diese beiden Schaumgummiplatten anzulegen.
Der betroffene Fuß soll in der sogenannten Neutralstellung versorgt werden. Damit ist ein rechter Winkel im Sprunggelenk gemeint. Ein häufiger Fehler der während des Verbindens gemacht wird ist, dass durch den Zug den man setzt, der Fuß aus seiner neutralen Position gezogen wird. Oder der Fuß wird nicht komplett eingebunden, dass dann zu einem sogenannten Fensterödem führen kann. Die zuviel produzierte Gewebeflüssigkeit sammelt sich an der nicht verbundenen Stelle und schwillt an.

H wie Hochlagern
Während und nach der Erstversorgung sollte darauf geachtet werden, dass das verletzte Gebiet möglichst hoch gelagert wird. Hoch heißt in diesem Fall, höher als das Herz. Gerade bei Verletzungen die das Bein betreffen, kann man immer wieder feststellen, das Spieler das Bein zwar hochlegen, dabei aber sitzen. Das hat zwei entscheidende Nachteile. Erstens ist das Bein nicht höher als das Herz und zweitens wird dadurch die erste große Abflussstation in der Leiste mehr oder weniger „abgeklemmt“.

Mögliche Folgen einer Schwellung
Wenn der Muskel oder das Gelenk erst einmal angeschwollen ist, behindert das fast immer die Untersuchung und somit die genaue Diagnose. Selbst weiterführende Untersuchungsmöglichkeiten wie Ultraschall, Röntgenaufnahmen oder gar eine Kernspintomographie sind dann nicht mehr so effizient. Neben der Schwierigkeit der genauen Diagnostik, verändert, verzögert und / oder verlängert sich die Nachbehandlung und somit auch die Genesung. Und das, weil diese Gewebe- oder Gelenkschwellung die Ernährung des betroffenen Gebietes behindert oder komplett zum Erliegen bringt. Und damit noch nicht genug. Studien haben gezeigt, dass Gelenke, die über einen längeren Zeitraum deutlich geschwollen sind, können irreparabel geschädigt werden.

Mit diesen Maßnahmen ist die Erstversorgung des Spielers auf und neben dem Spielfeld abgeschlossen. Sollte es sich um eine schwerere Verletzung handeln, geht man mit dem Spieler sofort in die Kabine. Dort werden dann weiterführende Untersuchungen  und bei Bedarf die ersten Behandlungen durchgeführt. Da bei nahezu allen Amateurmannschaften kein Arzt, geschweige denn ein Mannschaftsarzt anwesend ist, muss bei unklaren Diagnosen zusammen mit dem Spieler abgewogen werden, wie mit dieser Verletzung weiter umgegangen wird. Hier muss man als Betreuer klar seine Grenzen erkennen und kann dem Spieler nur Empfehlungen und Ratschläge geben.

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