Erste Hilfe Maßnahmen beim Sport Teil 3 – Der Betreuerkoffer

Im Profibereich ist neben dem Koffer, noch eine Tasche in Gebrauch. Während der Koffer in der Kabine bleibt, wird die Tasche nur mit den wichtigsten Utensilien auf die Bank, bzw. im Bedarfsfall auf das Spielfeld mitgenommen. Eine Notwendigkeit die im Amateursport meines Erachtens nach nicht besteht.

Der Koffer beinhaltet selbstverständlich alles für die Erstversorgung. Hinzu kommen Materialien sowohl für präventive Maßnahmen, als auch zur Nachsorge. Während die Tasche ausschließlich der Erstversorgung dient und dementsprechend zusammengestellt ist.
Die komplette Ausstattung muss aus meiner Sicht auch unter Berücksichtigung der Dopingliste mit dem Mannschaftsarzt abgestimmt werden.

Meine Tasche und Koffer würde ich folgendermaßen ausstatten:
Betreuertasche:
– Sterile Wundauflagen und Kompressen
– Blutstillende Watte
– Klammerpflaster
– „Normales“ Pflaster
– Wundreinigungsmittel
– Binden: elastische, selbstklebende und Unterzubinden in verschiedenen Breiten
– Unelastisches und elastisches Tape in verschiedenen Breiten
– Verbandschere
– Pinzette
– Holzspatel
– Taschenlampe
– Dreieckstuch
– Augenklappe
– JHP (Japanisches Heilpflanzenöl)

Betreuerkoffer:
zur Wundversorgung:
– Unterschiedlich große Pflaster, Wasserpflaster, Blasenpflaster, Klammerpflaster
– Sterile Kompressen, Mullbinden
– Verbandschere, Tapecutter, Pinzette
– Kodanspray, Wunddesinfektionsmittel
zum Verbinden:
– Tape, ausreichend und in verschiedenen Breiten
– Unelastische, stark klebende Binden, in verschiedenen Breiten
– Längs- und quer elastische Binden, in verschiedenen Breiten
– Unterzubinden
– Sprühkleber
– Schaumgummiplatten, Polsterwatte
– Einwegrasierer
Medikamente:
– Schmerzmittel, entzündungshemmende und krampflösende Medikamente
– Medikamente gegen Durchfall, Übelkeit und Erbrechen
– Kreislaufmittel
– Augen-, Ohren- und Nasentropfen
– Medikamente gegen allergische Reaktionen
Salben und Gele:
– Sportsalben und -gele unterschiedlicher Wirkstoffe
– Wund- und Heilsalbe
– Vaseline oder Melkfett
– Sonnencreme
Sonstiges:
– Massagemittel
– Kühlpackungen
– Blutstillende Watte und Nasentampon
– Steriles Nahtmaterial
– Einmalhandschuhe

Da ich weder den Onkel Doktor spiele und auch „nur“ einen Koffer besitze, sieht meiner eher aus wie der Apothekenschrank zu Hause im Bad und ist deutlich weniger ausgestattet, als bei den Profis. So habe ich zum Beispiel kein Nahtmaterial mit dabei. Auch die Anzahl und die Vielfalt des Materials ist auf das Notwendigste beschränkt.

Der Inhalt meines Koffers:
– Der komplette Inhalt der Betreuertasche.
– Tape in verschiedenen Breiten
– Pflastermaterial
– Sprühkleber
– Schaumgummiplatten als Salbenträger
– Einwegrasierer
– Die aufgelisteten Medikamente
– Drei bis vier Salben, auch wärmende
– Sportgel
– Melkfett,
– Ringelblumensalbe
– Sonnencreme (falls nötig)
– Massageöl und Franzbranntwein
– Ein oder zwei Einweg-Kühlpackungen
– Einmalhandschuhe
– Traubenzucker

In den ersten beiden Teilen habe ich die Sofortmaßnahmen und wie man dem einen oder anderen Spieler vor Spielbeginn helfen kann, bereits beschrieben. Man kann zwar nicht für alles vorbereitet sein, aber mit der Zeit weiß man, was seine Mannschaft hier und da braucht.
So kann es sein, dass über leichte Magen-Darmprobleme oder Übelkeit geklagt wird. Genauso gut können beim Aufwärmen muskuläre Probleme auftauchen, die sofort untersucht werden sollten, um entweder durch schnelle Behandlungsmaßnahmen wie Mobilisationstechniken, kurze Lockerungsmassagen und Muskeldehnungen behoben werden, oder ob es besser ist, dem Spieler zu empfehlen nicht aufzulaufen.

Auch gibt es jene, die ihre Behandlungsrituale brauchen, meist sind sie älteren Semesters. So braucht einer meiner Fussballer immer die Traumasalbe 301 (eine leicht wärmende Salbe) in sein Kreuz, während sich ein anderer immer Franzbranntwein auf seine Oberschenkel verteilt.

Da die Betreuung in der Halbzeit nicht endet, werden aktuelle Probleme mit Vorrang behandelt, noch vor der Versorgung der gesamten Mannschaft.

Getränke in ausreichender Menge sollten schon vorbereitet sein. Auch wenn es sich die meisten Spieler wünschen, aber bitte niemals zu süße, zu kalte und Getränke mit viel Kohlensäure anbieten. Entweder es macht noch mehr Durst, oder es belastet das Verdauungssystem. Im Sommer bekommen meine Mannschaften stilles Wasser mit zuckerfreien, isotonischen Brausetabletten in Zimmertemperatur. Im Winter ist es am besten, wenn sie warmen, ungesüßten Tee trinken. Wer möchte, der bekommt Traubenzucker. Bei den meisten weniger beliebt, aber dennoch sehr gut um die Atemwege wieder etwas freier zu bekommen, ist ein Tropfen JHP (Japanisches Heilpflanzenöl) auf die Zunge, oder verrieben im Nacken des Spielers.

Da diese Dinge weniger mit dem Inhalt des Koffers zu tun haben, aber sehr wohl zur Mannschaftsbetreuung gehören, wollte ich sie nicht unerwähnt lassen.

Bei uns wird der Koffer wesentlich häufiger zur Nachsorge der Spieler benutzt, als vor oder während des Spiels.
Nach dem Spiel, oder der Auswechslung des Spielers, wird eine genauere Untersuchung durchgeführt und eine erste Diagnose gestellt. Daran anschließend wird die entsprechende Behandlung fortgesetzt.
Es werden Wunden gereinigt und versorgt, Kompressionsverbände werden erneuert, Salbenverbände werden angelegt. So mische ich häufig zwei, drei Salben, die ich auf die zugeschnittenen Schaumgummiplatten auftrage.
Auf eines möchte ich in diesem Zusammenhang hinweisen: Bitte mit einem Sportgel keinen Salbenverband machen! Das kann zu deutlichen Verbrennungen führen, welches am Alkohol liegt, der in den meisten Gelen verarbeitet ist. Wenn man das Gel dennoch für einen Verband verwenden möchte, dann bitte immer warten bis es nicht mehr glänzt, sondern nur noch matt schimmert. Dann ist der meiste Alkohol verflogen und es besteht kaum noch Verbrennungsgefahr.

Ich will es nicht weiter thematisieren, dennoch erwähne ich es der Vollständigkeit halber:

Bei schwersten Verletzungen, Bewusstlosigkeit, oder ähnlich schlimmen muss der Notarzt gerufen werden!

Bei größeren, oder unklaren Verletzungen sollte der Spieler zu einem Arzt oder in ein Krankenhaus gebracht werden. Auch hier muss man als Ersthelfer dementsprechend reagieren.

In weniger schlimmen und oder dennoch unklaren Diagnosen können meiner Meinung nach nur Empfehlungen ausgesprochen werden. Die Entscheidung ob der Spieler sofort, oder erst einen Tag später zum Arzt geht, überlasse ich ihm selber.
Aus meiner Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass es meist sinnvoller ist, nicht an einem Wochenende in die Ambulanz eines Krankenhauses zu gehen. Wenn die Verletzung es zulässt und bei entsprechender Versorgung, ist dem Spieler meist mehr geholfen, wenn er am folgenden Tag zum Facharzt seines Vertrauens geht.

Sicher gibt es zu diesem Thema noch so manches zu schreiben, möchte es aber dabei belassen. Denn das Eine oder andere wird in einem gesonderten Beitrag bestimmt noch genauer betrachtet werden, so zum Beispiel die bunten und nicht bunten Tapes.

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