Verhaltensstörung in der Bundesliga

Ich bin Beratungslehrer für den Förderschwerpunkt emotional-soziale Entwicklung und unterrichte in einer Auszeitklasse, in der Schüler beschult werden, die eine Auszeit von der „normalen“ Schule benötigen; kurz gesagt: ich arbeite mit verhaltensauffälligen Schülern. Was hat das mit diesem Blog zu tun.

In diesem Blog geht es um Fußball und nicht um verhaltensauffällige Schüler. Naja bei Mario Balotelli könnte man sich ja beides vorstellen, aber um den geht es auch nicht. Vielmehr geht es um zwei Topvereine der Bundesliga. Doch was hat der BVB und die Bayern mit verhaltensauffälligen Schülern gemeinsam?

Immer wenn ich Aussagen von Beiden höre,  muss ich an meine Schüler denken. Meine Schüler haben viele Auffälligkeiten, doch eins sticht immer wieder hervor und zwar die Provokation und die Gegenprovokation. Bei ihnen ist es so, dass sie ständig damit beschäftigt sind zu provozieren. Ihre Aufgabe besteht darin, jemanden zu finden, der sich provozieren lässt. Diesen zu finden, ist für sie die leichteste Aufgabe. Sie sind Weltmeister darin, den Punkt zu finden, mit dem sie jemanden (auch Erwachsene) provozieren können. Genauso wie sie auf der Suche sind andere zu provozieren, rechnen sie ständig damit, dass jemand ihnen was Böses will. In allem möglichen erkennen sie eine Provokation. Dies ist so weit, dass es langt „Mutter“ zu sagen, und der andere sieht seine Mutter beleidigt und es geht los.

Dies ist ein kurzer Einblick in meine Arbeit. Wenn ich mir jetzt die Bundesliga anschaue, finde ich dieses Verhalten ständig. Vor allem bei der Interaktion zwischen dem BVB und den Bayern. Was dort an Provokation und Gegenprovokation abläuft,  kommt mir sehr bekannt vor.

Von der einen Seite hört man ständig etwas darüber, dass die anderen zu viel Geld und nur Erfolgsfans haben. Da wird bewusst auf dem Mittleidsknopf gedrückt,  um darüber mehr Sympathien zu erhalten und sich als der sympathischere Verein zu bezeichnen. Auf der anderen Seite wird die Ausstiegsklausel eines Spielers veröffentlicht, um Unruhe beim anderen zu stiften. Es werden Spieler weggekauft und es wird immer wieder auf die Fast-Pleite eingegangen. Und noch vieles mehr. Einen Mehrwert hat das ganze nicht. Es geht nur darum, den anderen zu provozieren und als Entschuldigung kann ich ja immer angeben, der andere hat angefangen. Machen meine Schüler auch so.

In der Arbeit besteht meine Aufgabe darin, den Schülern zu verdeutlichen,  dass die Provokationen keinen Sinn ergeben und für das Leben in unserer Gesellschaft nicht hilfreich sind, sondern sogar eine Teilnahme an der Gesellschaft erschweren.

Im Fußball ist das etwas anderes. Dort werden solche Provokationen geliebt. Jeder Fernsehsender, jede Zeitung auch jeder private Fußballstammtisch redet darüber. Denn jede Nachricht ist eine gute Nachricht. Dies ist bei meinen Schülern leider nicht der Fall. Diese werden für ihr – natürlich heftigeres – Verhalten von der Gesellschaft ignoriert.

Fobert

Advertisements

5 Gedanken zu “Verhaltensstörung in der Bundesliga

  1. Danke für deinen Beitrag…

    … auch wenn er mich gerade ein wenig ratlos hinterlässt.

    Gefühlt verstehe ich zwar deinen Ansatz – nur hinkt in meinen Augen der Vergleich und die Conclusio.

    Gefällt mir

    • Ich weiß, dass ich mit dem Vergleich ein wenig übertrieben habe. Nur sehe ich das Verhalten/die Art meiner Schüler als Extrempositionen unserer Gesellschaft. Und überspitzt formuliert, ist dieses Verhalten ähnlich.
      Der Unterschied ist vor allem der, dass meine Schüler nicht anders können und der BVB und die Bayern dies bewusst machen, um in die Medien zu kommen.

      Gefällt mir

  2. Ich finde den Beitrag sehr gelungen… gerade weil es doch zeigt, das auf der einen Seite versucht wird gegen Provokation vorzugehen…aber in der großen Fußballwelt das Thema gefeiert und von den Medien supported wird. Irgendwie brauchen die Medien jeden Tag „frisches Blut“ egal woher es kommt.

    Gefällt mir

  3. Lieber Fobert,
    nichts gegen dich als Person, aber als jemand der auch in dem Bereich tätig ist, muss ich leider sagen das mir bei solchen Küchenpsychologen-Thesen von Kollegen immer wieder ein kalter Schauer über den Rücken läuft.
    Warum?
    Beim ersten mal Lesen konnte ich gar nicht verstehen was du Überhaupt meinst.
    => gut, dass lag auch an der verwirrenden Formulierung … Von der einen Seite … auf der anderen Seite … es wird nicht sofort klar, dass hier wirklich die verschiedenen Parteien gemeint sind und nicht eine Partei (FCB) sich widersprüchlich verhält.

    Zu meinem Problem, im 1. Absatz bezeichnest du dich als Experten, um dann den Bogen zum Fußball zu spannen und auf Parallelen hinzuweisen.
    Jetzt schilderst du oberflächlich das problematische Verhalten deiner Schüler.
    Warum oberflächlich?
    Du schilderst WAS passiert, nicht aber WARUM.
    => Das Verhalten deiner Schüler macht Sinn! ich hoffe dir ist das auch bewusst.
    Dazu nur soviel, es hat etwas mit Unsicherheit, Rollenfindung, Selbstwahrnehmung und Selbstwert zu tun (Prügeleien wegen Müttern haben mehr mit der Stellung innerhalb der Gruppe/Gesellschaft zu tun als mit Müttern).

    „Dies ist ein kurzer Einblick in meine Arbeit.“ Nein dies ist eine oberflächliche Pauschalisierung.(sorry)

    Was passiert bei BVB und FCB? Provokationen? OK. Warum?
    FCB und BVB sind Fußball AGs (Marken) die über Emotionen versuchen Fans (Kunden) an sich zu binden.
    => auch ihr Verhalten macht Sinn, indem sie versuchen Emotionen zu wecken und im Gespräch zu bleiben (gut auch hier können Minderwertigkeitskomplexe und Eitelkeiten eine Rolle spielen)

    Man könnte also sagen du vergleichst Äpfel mit Birnen, aber ich würde den existenziellen Kampf um einen Platz in der Gesellschaft und die Platzierung einer Marke im Wettbewerb nicht einmal beides als „Obst“ bezeichnen.

    Eigentlich stellst du einen Widerspruch fest. Wir sind auf der einen Seite bereit uns exzessiv mit belanglosen Themen, im an sich schon nebensächlichen (auch wenn er schön ist) Fußball, zu beschäftigen, auf der anderen Seite haben wir aber kein Problem damit junge Menschen die in unserer Gesellschaft auf der Strecke bleiben völlig zu ignorieren.

    Mittlerweile denke ich sogar, dass du sogar darauf hinaus wolltest, wie du aber an meinem Aufwand erkennen kannst, war mir dies erst nach einer gewaltigen Transferleistung möglich.

    Mein Fazit: Wer sich selbst als Experten zu erkennen gibt der sollte auch immer Expertenwissen liefern und wenn man Expertenwissen unter die Leute streut sollte man sich bitte auch die Mühe machen dies strukturiert und logisch fundiert zu tun.

    Ich muss aber auch zugeben, dass mir dein Beitrag jetzt im Endeffekt schon was gebracht hat, aber das war Arbeit du Arsch 😉 ich wollte doch hier einfach nur was belanglosen Scheiß lesen … hehe

    LG, esoteric einstein

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s