Das kurioseste Stadion der Liga

sv98Das Böllenfalltor, oder, wie es laut Sponsorenname mittlerweile heißt, das „Merck-Stadion am Böllenfalltor“, wirkt nicht nur wie aus der Zeit gefallen – es ist tatsächlich ein Stadion, das man wahlweise als „Ort für Fußballromantiker“ beschreiben könnte, oder als „Das meinen die doch nicht ernst, dort zu spielen, oder?“ Viele der Stehplätze bröckeln vor sich hin, es gibt überhaupt nur eine überdachte Tribüne, die Gegengerade ist mehr oder weniger „in den Hang“ hinein gebaut, und dass die Duschen gelegentlich kalt sind ging mittlerweile wohl durch die gesamte nationale Presse. Viele fragen sich aktuell: Darf Darmstadt da überhaupt Bundesliga spielen? Die Antwort: Ja.

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Abstieg

scf Seinen Verein sucht man sich nicht aus. Und wenn, dann nicht mit Hilfe einer vollausgeklügelten Analyse. Als ich mich in den 90ern entschieden habe, Freiburg-Fan zu sein, ging es nicht darum, dass es ein „besonders sympathischer“ Verein ist. Um genau zu sein, weiß ich gar nicht mehr, was konkret der Ausschlag war. Vielleicht das Underdog-Image. Vielleicht schon damals das Versprechen, dass hier Fußball gespielt wird, im wahrsten Sinne des Wortes, zelebriert. Frech, offensiv, gleichzeitig mit einem taktischen Unterbau, der damals der Mehrheit der Bundesliga-Vereine abging. Das meiste davon hätte ich damals vermutlich gar nicht in Worte fassen können. Es war ein Gefühl. Eine Emotion. Seinen Verein sucht man sich nicht aus, man wird zu ihm hingezogen. Um in der Metapher zu bleiben: Die „Heirat“ mit dem SC vollzog sich, als ich in Freiburg studierte, mein Wohnheim fünf Fußminuten vom Stadion entfernt. Schon damals habe ich eine komplette Zweitliga-Saison mitgemacht.

Eine Totalkatastrophe

Die Zweitliga-Saison 2002/03 war kurz, glorreich. Ein Jahr Zweite Liga, siegreich durch die Saison gestürmt, Wiederaufstieg. So macht Abstieg Spaß. Wenigstens mal wieder Siege am Band, die Tickets werden billiger, das Bier auch, und man kann auch noch kurzfristig für Freunde Karten organisieren, weil ich die Topspiele nicht monatelang vorher ausverkauft sind. Ich höre und lese in Foren, auf Twitter und in meinem Umfeld immer häufiger, nach dem ersten Schock: „Ach, so langsam freunde ich mich mit dem Gedanken an, dann rocken wir eben die Zweite Liga.“

Ich halte diesen Gedanken für naiv. Ich teile ihn nicht.

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