Bremen: Alte, neue Geldsorgen

"Money" by Thomas Galvez | Flickr.com | CC BY 2.0

„Money“ by Thomas Galvez | Flickr.com | CC BY 2.0

Vor ziemlich genau 12 Monaten, am 23.08.2014 erschien hier im Blog ein Beitrag über Werder Bremen. Es ging um Geld. Geld, welches man in Bremen nicht hatte, welches man dringend brauchte.  Damals verkündete die Vereinsführung: es sehe schlecht aus mit den Finanzen, Geld für wichtige Transfers zu Steigerung der Qualität des Kaders würde es nicht geben. Damals hieß der erste Gegner der Saison Hertha BSC Berlin. Das war vor genau 12 Monaten. Werder hat am Wochenende wieder gegen Berlin gespielt und fast analog zur Situation vor 12 Monaten ließ Werder negative Bilanzzahlen auch für das abgelaufene Geschäftsjahr durchblicken. Wieder macht Werder Millionen Verluste. 

Vieles von heute weist Parallelen zu damals auf: Werder spielte in Berlin, kassierte das erste Tor, spielte am Ende Unentschieden.  Dass Werder wie damals kein zweites Tor kassierte, kann aus heutiger Sicht als Glücksfall gewertet werden. Immerhin gab Trainer Skripnik im Weser-Kurier zu: „Wenn da das zweite Tor gefallen wäre, ich glaube, dann wären wir nicht zurückgekommen.“. Damals kam man zurück. Damals spielte auch ein Di Santo und ein Lukimya, der am Gegentreffer dieses Mal unglücklich beteiligt war. Aber auch dieses Mal konnte er eine überwiegend solide Leistung abrufen und bestätigte damit seine bisherige Form.

Anders als damals vertraut der aktuelle Trainer der Bremer seinem Kader. Zugänge sind zur Zeit nicht geplant und, wie es der Titel suggeriert, auch gar nicht so recht finanzierbar. Dass es dem Bremer Mittelfeld an einem Regisseur erster Güte gebricht, wurde auch am vergangenen Freitag in Berlin deutlich. Dass dies eine kämpferisch einwandfreie und aggressivere Spielweise nicht kaschieren konnte, ebenfalls. Verräterische, lange Pässe, die aus der Abwehr direkt in den Sturm gehen, mögen ein taktisches Mittel sein. Aber dies völlig unbedrängt zu tun, zeigt in meinen Augen, wie wenig Vertrauen die Mannschaft selbst in die Stärke ihres Mittelfeldes hat. Skripnik stellte dieses Mal den jungen Maximilian Eggestein ins offensive Mittelfeld. Dieser rackerte sich, analog wie sein Vorgänger Öztunali gegen Schalke, insg. erfolglos ab. Erst als Fin Bartels dessen Ablösung übernahm, wurde Werder dank scharfer Pässe aus dem Mittelfeld mit mal brandgefährlich. So nahm Werder immerhin einen Punkt mit aus der Hauptstadt.

In die neue Woche startete auch Werders Manager Thomas Eichin, der bereits am Wochenende einige personelle Veränderungen ankündigte. Werder braucht frisches Geld für seine Zahlen. Werders Vorstandsvorsitzender Klaus Filbry hatte gegenüber Radio Bremen am 20.08.2015 eingeräumt, dass Werder wieder einen signifikanten Millionenverlust einfahren würde. Zwar sei der Wirtschaftsbericht (Jahresabschluss) noch nicht fertig und die genauen Zahlen werde es erst im November auf der Jahreshauptversammlung geben. Dennoch steht Werder das vierte Mal in Folge eine rote Zahl ins Haus. Die Gewinnrücklagen der „fetten Jahre“ dürften damit gen Null streben.  Filbry bezifferte die Rücklagen auf z.Zt. 6,5 Mio. Euro. Das Minus aus dem vergangenen Geschäftsjahr betrug rund 10 Mio. Euro. Der Vorstandsvorsitzende geht davon aus, dass der aktuelle Verlust nicht so hoch wie letztes Jahr ausfallen wird.

Wissen muss man, dass das Geschäftsjahr bei Werder vom 01.07. – 30.06. geht. An dieser Stelle muss davon ausgegangen werden, dass etwaige Verkäufe diese Woche ins neue Geschäftsjahr fallen. Und somit die Zahlen des anstehenden Wirtschaftsberichtes prognostisch aufbessern sollen. Werder konnte im vergangenen Geschäftsjahr seinen Umsatz um 2 Mio. Euro auf 92 Mio. Euro steigern.  Gleichzeitig ergab sich ein Fehlbetrag von 10,124 Mio. Euro. 1,5 Millionen mehr als im Jahr davor. Am 30.06.2014 betrug das Eigenkapital 7.434.619,55 Euro.  Zwar konnte man die „Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen“ (z.B. Gehälter) um 2,7 Mio. Euro senken und Rückstellungen massiv abbauen, hatte aber auch deutlich mehr „sonstige Verbindlichkeiten“ und geringere Forderungen. Unterm Strich hatte man also nicht sonderlich gut gewirtschaftet. (Quelle: Bundesanzeiger online)

Eichin ist sich sicher: „Nächste Woche passiert einiges„. Auf seiner Liste der Spieler, die ihre Koffer packen können / sollen stehen: Izet Hajrovic (24, Vertrag bis 2018, Marktwert: 2,5 Mio), Ludovic Obraniak (30, Vertrag bis 2016,Marktwert: 2,0 Mio), Mateo Pavlovic (25, Vertrag bis 2016, Marktwert: 750.000€ ), Cedrick Makiadi (31, Vertrag bis 2016, Marktwert: 750.000€ ). Käme nur der Marktwert dieser Spieler zusammen, könnte Werder 6,0 Mio. Euro einstreichen. Für vier Spieler, die in meinen Augen eigentlich nur Geld gekostet, statt Geld gebracht haben und in Bremen auch wirklich gar keine Rolle mehr spielen. Spieler, die sich nie besonders vorbildlich verhalten haben und sich nie mit echter Leistung hervortun konnten. Werder braucht dieses Geld dringend. Damit der finanzielle Druck und damit auch der Druck auf die überwiegend jungen Spieler nicht noch größer wird.

Ein Spieler, der hier nicht auftaucht, ist Jannik Vestergaard (23, Vertrag bis 2018, immerhin 4,5 Mio. Euro Marktwert).  Zuletzt hatte er zumindest durchklingen lassen, immerhin eine volle Saison bei Werder spielen zu wollen. Und schließlich hat er noch 3 Jahre einen Vertrag in Bremen.

Grundsätzlich heißt es ja: Verträge soll man halten. Vielleicht können die Kommentatoren dieses Blogs ihre Erfahrungen dazu beitragen. Sind Verträge im Profifussball eigentlich noch verbindlich oder stehen Vertragszeiträume nur für die Summe an Extrakosten, die ich aufbringen muss, um einen Wunschspieler zu kaufen?

In diesem Sinne wünsche ich uns und unseren Lieblingsvereinen trotzdem 3 verbindliche Punkte am nächsten Spieltag. Und denkt an Eure Tippabgabe in den verschiedenen Tippgemeinschaften. Munter bleiben!

 

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2 Gedanken zu “Bremen: Alte, neue Geldsorgen

  1. 10 Millionen Miese pro Jahr klingt aber in der Tat nicht gut. Vor allem klingt das so, als würde man auch die kommenden Jahre mit ähnlichen Verlusten rechnen müssen, es sei… ja, was eigentlich? Das Gehaltsbudget wird deutlich gesenkt? (Trotz einiger Verkäufe eher unwahrscheinlich, oder?) Die Fernseheinnahmen steigen deutlich? (Dann müsste Werder schon deutlich obere Plätze erreichen.)

    Da sind ja dann selbst 6 Millionen Verkaufserlöse plus ein paar eingesparte Gehaltssummen im neuen Jahr nur ein zeitweiser Tropfen.

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