Auf dem Boden der Tatsachen

Dass ich Werder Bremen nahe stehe, hat man sicherlich in den letzten Beiträgen von mir gelesen. Dass ich mich – wie viele Menschen mit mir – freute, als vor etwas über 14 Tagen Claudio Pizarro überraschend in Bremen einflog und ein paar Stunden später zum dritten Mal in Bremen unterschrieb, auch. Dass ich mich freute, als er letzte Woche in den Schlussminuten gegen Hoffenheim den wichtigen Pass auf Ujah spielte und „Pizza-Toni wieder lieferte“, ebenso. Dann könnt Ihr Euch vorstellen, wie ernüchtert ich die 90 Minuten Spielzeit vom letzten Samstag erlebte.

Werder verlor mehr als unglücklich und am Ende hochverdient mit 0:1 gegen die Aufsteiger aus Ingolstadt. Es war kein guter Tag für Werder mit einem Spiel in dem  Werder (Zitat Weser-Kurier) „lange Zeit wenig richtig und am Ende alles falsch“ machte.

Die Euphorie um die erneute Verpflichtung des Weltstars Claudio Pizarro hatte sich vor dem ersten Heimspiel mit Pizarro ins schier Unermessliche gesteigert. Auf ebay verlangten Leute für dusselige Stehplatzkarten (Normal 16,-€) weit über 100,-€. Auf offiziellem Wege war seit dem Hoffenheimspiel nichts mehr zu machen. Weserstadion ausverkauft. Gegen einen Aufsteiger.

Und Pizarro kam. Skripnik brachte ihn bereits nach 45 Minuten für den verletzten U. Garcia . Werder bot somit seinen gesamten Sturm gegen die Mauerkönige aus Bayern. Allein, das Tor wollte nicht fallen, wobei auch Bremen vor allem in der zweiten Hälfte der zweiten Halbzeit näher an der Niederlage war als Ingolstadt. Erschreckend: die noch in den Wochen zuvor zumindest ausrechende Aggressivität im Zweikampf war wie verflogen. Wurden die Bälle glücklicherweise geholt oder durch einen Fehlpass des Gegners ergattert, sah sich die Bremer Hintermannschaft wieder einmal genötigt unbedrängt lange Bälle zu spielen. Am Ende sogar völlig planlos. Erschreckend auch, dass Ujah den schwächsten Auftritt der Saison hatte. Überhaupt, und da sind sich viele Beobachter einig, bot Werder die mit Abstand schlechteste Leistung dieser Spielzeit.

Es macht den Eindruck, als glaubten die jungen Spieler, dass ein so erfahrener Mann wie Pizarro ihnen plötzlich fussballerische Fähigkeiten  verleihe. Quasi über Nacht. Regelrecht arrogant unbeteiligt trabten die grün-weißen übers Feld. Dass Pizarro selbst zwar Schwung, jedoch wenig Effekt brachte, sei nur am Rande erwähnt. Clemens Fritz soll nach dem Spiel gesagt haben, dass es seiner Mannschaft und ihm schwer gefallen sei, dem Gegner das Spiel aufzuwingen. Herr Fritz, Ihnen ist rein gar nichts gelungen. Und das gegen einen Aufsteiger, von dem sie wissen, dass er verzögert und auf Zeit spielt. Vor dem letzten Spieltag hatte Ingolstadt 2 Tore geschossen und stand auf Platz 7 der Tabelle, heute sind es 3 Tore und sie stehen vor Werder.

Dieses Heimspiel, mit der Stimmung und Euphorie im Rücken hätte Werder gewinnen müssen. Auch dreckig mit 1:0. Eine Offenbarung, wenn man dann mit dem gesamten Sturm auf dem Platz nicht mal ansatzweise Gefahr erzeugen kann. Und wenn Dir dann in der Nachspielzeit zwei Mal die Sicherungen durchbrennen, bekommst Du zurecht den Elfmeter und die rote Karte. Weil alle Welt sehen muss, wie blöd Du obendrein noch bist.

Doch Trainer Skripnik hat mit seinen Entscheidungen auch dafür gesorgt, dass die Fans und vor allem die Mannschaft auf den Boden der Tatsachen zurück geholt wurden. „Schaut her, selbst mit Pizarro läuft es nicht, wenn wir in den Köpfen nicht 100% bei der Sache sind!“. Wir Werder Fans und vor allem die Werder Spieler müssen nicht vom Europapokal sprechen, auch wenn Pizarro in einem Interview vor dem letzten Spiel diese Stimmung weiter befeuern wollte. Die Mannschaft muss in der Bundesliga ihre Hausaufgaben machen und für ihre Erfolge arbeiten. Ein Claudio Pizarro in der Mannschaft verwandelt das Spiel nicht zum Selbstläufer. Vor allem dann nicht, wenn der Rest der Truppe den Begriff „Team“ mit „toll, ein anderer macht’s!“ definiert. Diesen Charaktertest hat Werder am Samstag gegen Ingolstadt nicht bestanden.

Am Dienstag wartet mit Darmstadt der nächste Aufsteiger und die Darmstädter werden die Partie der Bremer verfolgt haben. Es liegt an den Bremern, die gleich auf zwei Stammspieler (Bargfrede rote Karte – für 3 Spiele gesperrt, U. Garcia gebrochener Zeh – Minimum 2 Wochen Pause) verzichten müssen, ihre Sache besser zu machen. Dafür müssen sie nicht das Zaubern erlernen. Es reicht vielleicht 100% mehr effektiven Einsatz zu zeigen, als gegen Ingolstadt.

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