Eure Meinung zur FIFA…

epa04769688 (FILE) File picture dated 29 October 2007 shows the FIFA logo at the FIFA headquarter in Zurich, Switzerland. Police arrested six football officials 27 May 2015 in Switzerland for extradition to the United States where they are to face corruption charges. The Swiss Federal Office of Justice (FOJ) said the Zurich arrests were on suspicion of accepting bribes. The six can agree to be extradited to the US "immediately". If they don't agree, the United States will need to submit a formal extradition request, a statement said. The arrests at dawn were carried out as officials from football's world governing body FIFA were gathered at the Baur au Lac hotel ahead of their annual congress opening 28 May. EPA/STEFFEN SCHMIDT +++(c) dpa - Bildfunk+++

In unserer kommenden Podcastfolge 166, welche wir sehr wahrscheinlich bereits am Montagabend, den 12. Oktober 2015 aufnehmen werden, wird der Skandal Rund um die neusten Vorkommnisse bei der FIFA, natürlich auch ein Schwerpunktthema sein. Hoobs hat dazu eine Meinung. Broxi hat dazu eine Meinung. Aber viel wichtiger: Wie ist Eure Meinung zu dem Thema?

Joseph Blatter erhält seit Jahren von unser Community immer wieder gern die „Rosarote Karte“. Er hat dafür ja auch einiges getan. Aber ist „Blatter“ die „FIFA“? Kann man das trennen? Muss man das sogar trennen? Es reicht ja nicht zu sagen „Blatter muss weg“. Und dann? Was wünscht Ihr Euch? Was sollte bei der FIFA als nächstes passieren? Gibt es für den nationalen und internationalen Fussball eine Chance auch „ohne FIFA“?

Ein extrem komplexes Thema, bei dem wir Eure Hilfe benötigen! Wir würden uns wirklich über Eure Kommentare, Meinungen und Ideen freuen. Am besten gleich hier als „Kommentar“. Wir versprechen Euch, dass wir Euer Statement mit in unsere nächste Podcastfolge nehmen! Also dann: Ran an die Tastatur!

DANKE im Voraus.

Advertisements

13 Gedanken zu “Eure Meinung zur FIFA…

  1. Mann muss ja bei all den wirklich verdienten rosaroten Karten sagen, dass es Blatter wohl (soweit wir das bis jetzt wissen) in erster Linie um Macht und nicht um Geld ging. Er wollte gottgleich alles kontrollieren, hat aber wohl nur anderen Geld zugesteckt um das zu erreichen und nicht sich selber. Das sagt uns, dass es neben dem machtgeilen Blatter einige Leute in der FIFA gibt, die Geld angenommen haben. Wohl eine viel weiter verbreitete Eigenschaft. Deshalb sehe ich schwarz, ob es ohne Blatter besser wird. Im Endeffekt regiert immer das Geld.
    Könnte mir sogar durchaus vorstellen, dass die FIFA in eine Abwärtsspirale gerät, wenn die Selbstverliebtheit und der Pomp von Blatter fällt. Dann bekommt die Mafia vielleicht sogar das Gesicht einer Mafia. Das wars dann mit dem letzten Rest Ansehen.

    Gefällt mir

  2. Blatter ist nicht die FIFA. Er steht ihr zwar vor und ist für die Korruption dadurch mitverantwortlich. Das er dafür noch nicht längst die Konsequenzen ist die größte Katastrophe. Bei keiner anderen Organisation wäre das möglich.
    Es ist auch sehr traurig, sollte er recht haben und nichts von der Korruption mitbekommen haben, bzw. wenn er immer noch denkt und behauptet, dass die FIFA keine korrupten Sekretäre, Ausschussmitglieder oder sonstige Mitglieder hat. Er verhindert, wissentlich oder unwissentlich eine Neustrukturierung der FIFA, die dringend benötigt wird. Es wäre das GAU, wenn sich bewahrheiten sollte, dass die FIFA so voller Korruption ist, dass eine Neustrukturierung gar nicht mehr möglich wäre. (kleiner Indotext dazu, den ich in diesem Kontext gelesen hatte: http://www.kicker.de/news/fussball/intligen/startseite/636740/artikel_fifa-und-uefa-droht-das-ende.html#omsearchresult (ein Kommentar vom Kicker-Redakteur Rainer Franzke zum möglichen Ende der bisherigen Dachorganisationen FIFA und UEFA))

    Keine Frage, so wie es jetzt ist, darf es nicht weitergehen! Es wäre vielleicht sogar besser die Dachorganisationen neu zu gründen. Aber es ist keine Garantie dafür, dass es in Zukunft besser läuft. Es muss auf jeden Fall dafür gesorgt werden, dass die bisherigen Funktionäre nicht weiter mitarbeiten. Ich bin zwar grundsätzlich kein Freund von Generalverdacht, aber in diesem Fall wird nichts anderes helfen. Jeder Funktionär sollte seine Unschuld beweisen müssen und nicht anders herum.

    Zu hoffen bleibt, dass die Einsprüche von Blatter und Platini mit ihren Einsprüchen keinen Erfolg haben werden.

    Gefällt mir

  3. Ziel muss es meiner Meinung nach sein, eine FIFA und UEFA aufzubauen, die keine Schlagzeilen mehr macht. Allein der Anschein der Korruption muss vermieden werden und sowohl die Mitglieder als auch das Unterhaltungs-Produkt Weltfussball müssen im Vordergrund stehen. Da die FIFA zur Zeit noch eine riesige Bühne ist, auf der sich unter anderem Lichtgestalten präsentieren, werden weiterhin Macht- und Ruhmsuchende versuchen sich in diesem Netzwerk eine gute Position zu erarbeiten und diese Position sowohl zu wahren als auch auszunutzen. Wie wäre es mit einer auf 10 bis 15 Jahre begrenzten Mandatszeit und höchstens 2 Amtszeiten für den Vorsitz. Dadurch wechselt die Führungsriege regelmäßig und FIFA/UEFA werden hoffentlich jünger, flexibler und näher am Geschehen der Zeit aufgestellt.

    Gefällt mir

  4. Ich denke nicht, dass es um die Frage geht ob es zukünftig „ohne FIFA“ geht, sondern was passieren muß, damit diese durchaus wichtige Institution sich komplett neu aufstellt.

    Es erinnert mich an die Situation bei Apple Mitte der 90er Jahre. Gut 10 Jahre nachdem der Gründer Steve Jobs das Unternehmen ungewollt verlassen hatte, wurde er durch den Aufsichtsrat aufgrund der anhaltenden Erfolglosigkeit des damaligen Vorstands wieder zurückgeholt. Er begann zunächst nur als „freier Mitarbeiter“ und gewann schon früh immer mehr an Einfluss. Als man ihm dann anbot, als CEO Apple in die Zukunft zu führen, nahm er dieses Angebot nur unter der Bedingung an, dass auch der Aufsichtsrat fast komplett ausgetauscht würde, sprich auch diejenigen ihre Posten aufgaben, die ihn als CEO positionieren wollten.

    Wo ist nun die Parallele zur FIFA?
    Vermutlich gibt es keine entsprechende Persönlichkeit, die ähnlich charismatisch und visionär in eine Organisation zurückkommen könnte, wie damals Steve Jobs. Trotzdem sollten wir uns in dieser Diskussion einmal damit auseinandersetzen, wen es denn überhaupt für einen ähnlichen Neuanfang geben könnte?! Ich gehe davon aus, dass die heutigen Führungsgremien innerhalb von 24 Monaten komplett neu besetzt sein müssen! Nur wer kann so einen Stein ins rollen bringen?

    Er sollte nicht zu alt sein. Somit schließt es Persönlichkeiten aus, die ihre erfolgreichsten Zeiten in den 70er und z.T. 80er Jahren hatten!
    Wer fällt euch aus den 80er und 90er Jahren ein, der für so einen Neuanfang stehen könnte?
    Das ist m.E. die Frage die es zu stellen gilt. Ich bin mal auf die „Reingemacht-Community“ Vorschläge gespannt!

    Gefällt mir

  5. Was mich immer zum Lachen bringt ist der Fakt, dass die Fifa eine Nichtregierungsorganisation ist und damit nicht gewinnorientiert arbeitet. Eine Nichtregierungsorganisationen würden wahrscheinlich vor Freude tanzen, wenn sie wie die Fifa, in einem Vermögen von mehr als einer Millarde Euro baden würden. Vielleicht bin ich auch zu romantisch, aber man sollte den ganzen Verein schließen und eine neue Organisation gründen. Oder man lässt den ganzen Wohltätigkeitsquatsch und lässt den Rummenigge das machen. Die Taz nannte das: Wenn schon Kapitalimus, dann richtig! Mehr neoliberaler Geist mit arabischen Scheichs, russischen Oligarchen und amerikanischen Vermarktungsagenturen. Das wäre ehrlich und Bestechung wäre auch nicht mehr nötig.

    Sand3r

    Gefällt mir

  6. Oha, unser Freund Blatter und „sein“ Verein, die FIFA. Wo soll man anfangen? Am besten etwas abschichten.

    1. Personen – Kultur – Organisation
    Es gibt eine klare Wechselwirkung zwischen den Personen, die als Mitglieder oder gar Organe einer Organisation agieren, und der Organisation selbst. Das kann man mit dem schwammigen Begriff der „Kultur“ der Organisation bezeichnen. Es ist aber klar: Wenn ein Laden lange Jahre von den gleichen (oder austauschbar ähnlichen) Personen geführt wurde, dann nimmt er in allem – seiner internen Organisation, seiner internen und externen Kommunikation und seinen Handlungen – die Wesenszüge dieser Personen an. Es wird zu einer Blaupause, an der sich die Nachrückenden orientieren: „Nur wer so tickt, hat hier eine Chance, etwas zu werden.“ Damit prägt diese Kultur die Organisation und damit auch die neuen Gesichter … die nach Kurzem den alten zum Verwechseln ähnlich sehen.

    Die FIFA hat bislang keine besonders ruhmreiche Geschichte. Lange Jahre war sie egal. Dann erkannten findige Geschäftsleute das Potential von FIFA (und IOC). Seilschaften wurden installiert – und eine brillante Marketingplattform für Adidas war geboren. Horst Dassler, der Sohn von Adidas-Gründer Adi Dassler, wusste, wie es geht. Sowohl Samaranch als auch Havelange warum enge Partner. Und auch Blatter wuchs in dieser Welt auf. Er kannte es also nicht anders. Und Leute um ihn sicherlich auch nicht. Havelange, der Ehrungen ohne Ende anhäufte, wurde letztlich doch der Korruption überführt. Und er hatte nur einen Nachfolger: Blatter. Zusammen regierten sie die FIFA seit meiner Geburt 1974. Viel Zeit, um eine ganz fatale Kultur zu installieren.

    Diese Kultur auszumerzen wird viel Zeit und Kraft kosten. Die ganzen – ziemlich lächerlichen – Versuche von Compliance und Transparenz zeigen, dass selbst Personen, die in ihrer Zeit vor der FIFA als harte Aufklärer etc. bekannt waren, sich dort die Zähne ausbissen. Insofern müssten natürlich alle Funktionäre auf einmal gehen, von neutralen Technokraten ersetzt werden und dann nach einer Reform aller Wahlmechanismen usw. in ein paar Jahren wieder zugelassen werden. Wird nie passieren. Schaut Euch eine beliebige Diktatur an. Nach ihrem Ende werden die meisten Spitzenposten mit Ex-Anhängern der Diktatur besetzt sein. Es gibt keine anderen Experten, die das Land und den Apparat so gut kennen. Und es wird bei der FIFA nicht anders sein.

    2. Vor- und Nachteile von Demokratie
    Die FIFA ist eine demokratische Organisation. Jedenfalls gibt es Wahlen, bei denen alle Mitglieder mitwählen und mitgewählt werden dürfen. Das ist toll, globaler Sport, „es gibt keine Kleinen mehr“, keine post-kolonialen Machtgefälle mehr. Alles gut. Hat aber eine Menge Schattenseiten: Jeder Winzverband hat das gleiche Stimmrecht wie die größten Verbände mit den meisten Mitgliedern und den größten Budgets.

    Die kleinsten Verbände sind aber natürlich auch die anfälligsten. Wenn dort ein oder zwei Millionen „Entwicklungshilfe“ gewährt werden, ist das der Großteil des Verbandsbudgets. Wenn man ihnen androht, diese Beihilfe zu stoppen, entsteht sofort Panik. Mit der Tradition von braunen Umschlägen kann man diesen Effekt ebenso nutzen wie mit Wahlversprechen, dass man als Präsident vor allem die kleinen Verbände fördern will und dazu aus dem FIFA-Vermögen eine jährliche Ausschüttung in beträchtlicher Höhe an alle Verbände durchsetzen werden.

    Es waren anscheinend oft die „Organisatoren“ der kleinen Verbände, die die Schlüsselpositionen für Wahlentscheidungen darstellten. Wenn CONCACAF 41 Mitglieder aufweist, dann gehören 31 davon zur Caribbean Football Union. Das sind nicht alles FIFA-Mitglieder, aber es wäre sicherlich aufschlussreich zu ermitteln, wieviele aktive Fußballer in der Region auf eine FIFA-Stimme kommen – und das mal mit den Zahlen in Deutschland oder England zu vergleichen.

    Langer Rede, kurzer Sinn. Ich glaube nicht, dass sich bei der FIFA (oder dem IOC) irgendetwas ändert, solange die Wahlmechanismen winzigen Karibik-Inseln genauso viel Einfluss gewähren wie Deutschland, Frankreich, Brasilien oder Argentinien.

    3. Ein letzter Punkt: Das Vereinsrecht in der Schweiz
    Es gibt noch einen letzten Punkt, der mitbedacht werden muss. Die FIFA sitzt aus sehr guten Gründen in der Schweiz. Dort kann sie aufgrund des dortigen Vereinsrechts und des Steuerrechts sehr komfortabel, sehr verschwiegen und anscheinend sehr korrupt agieren. Veröffentlichte Jahresabschlüsse? Warum denn, ist doch ein Verein. Steuern? Warum denn, ist doch eine gemeinnützige Organisation.

    Es bewegt sich inzwischen etwas in der Schweiz. Das Bankgeheimnis ist gelockert, FIFA-Funktionäre werden verhaftet und sogar ausgeliefert. Es beginnt, den Schweizern selbst peinlich zu sein, was bei ihnen so passiert. Noch gibt es genügend Politiker, die ihre schützende Hand über gewisse Organisationen halten, weil es natürlich nett ist, diese im Land zu haben, das gibt Renommee, sicherlich auch lokale Steuereinnahmen durch Delegationen etc. Aber es müffelt halt doch.

    Damit es zu einem tiefgreifenden Wandel kommen kann, muss die FIFA also auch gezwungen sein, realistischer und transparenter zu agieren. Natürlich ist das ein Verband. Aber ein Verband, der mit Milliardenwerten jongliert, kann nicht mit dem Regelwerk für einen Brieftauberzüchterverein administriert und überwacht werden. Jeder Mittelständler hat viel mehr Pflichten zur Rechenschaft.

    Gefällt mir

  7. Ich sehe das nicht so, dass die FIFA so einzigartig ist. Es gibt eine sehr ähnliche Organisation namens IOC, die fast wie ein Spiegelbild aussieht. Und eine Lösung gibt es da nicht wirklich. Dafür geht es allen Beteiligten zu gut. Wer hat denn Nachteile?
    Ich bin froh, dass Platini jedenfalls nicht der Nachfolger wird. Auch wenn ich gefühlt lieber einen korrupten Europäer als einen korrupten Afrikaner oder Asiaten an der Spitze habe, weil Europäern mit dem starken Clubfußball hier gewisse Grenzen besser bewusst sind und wir schwachsinnige Ideen wie eine Sommer-WM in Katar hoffentlich nicht mehr sehen.
    Die FIFA ist für mich auch nicht das wahre Problem des Fußballs. Ehrlich gesagt gibt es nicht wirklich eine Begründung, warum eine WM nicht in Kuwait stattfinden soll, nur die Art, wie es vergeben wurde, ist halt völlig daneben. Viel schlimmer finde ich die UEFA. Die ist nämlich mit ihrem Prämiensystem zwischen CL und EL primär dafür verantwortlich, dass die Bundesliga so langweilig ist. Bayern verdient alleine mit CL-Prämien mehr als die unteren 5-6 Mannschaften aus allen Einkünften zusammen. Und Regelungen wie die 24-Länder EM zeigen, dass das System gewollt ist. Es sollen die gleichen Publikumsmagneten immer vorne sein, um einen steten Strom an Sponsorengeldern zu sichern. Und in Deutschland haben Mannschaften wie Dortmund, Schalke, Wolfsburg halt nicht die Möglichkeit, durch Mäzene oder Fernsehgelder die fehlenden 30-50 Mio aufzufangen. Daher werden wir in absehbarer Zeit nur Bayern, Barca, Real, PSG, zwei, drei englische Vereine (wenn sie die Taktik hinbekommen) und eventuell Juve oder Valencia in den CL-Halbfinals sehen.

    Gefällt mir

  8. Zwei Gedanken, die ich schon länger bezüglich der FIFA habe:

    1) Die FIFA ist nur ein Abbild einer leider zu oft korrupten Welt. (Wie auch das schon hier angesprochene IOC). Ein Patentrezept, um weltumspannende Organisationen transparenter und gerechter zu machen, habe ich bisher nicht kennengelernt. Man kann sicher vieles verbessern, bis zu einem gewissen Grad wird die FIFA aber weiter ein Abbild der Welt bleiben.

    2) Große Sportverbände wie der DFB kuschen nun schon viele Jahre vor einem feixenden FIFA-König Sepp Blatter. Über die Hintergründe kann man im Einzelnen nur spekulieren, in der Außendarstellung ist es beschämend.
    Der Vergleich mag hinken, aber ich frage mich schon seit Jahren, wie eine Weltgemeinschaft es schaffen soll, gegen Diktatoren wie Herrn Assad in Syrien vorzugehen, wenn einflussreiche Sportverbände in westlichen Demokratien nicht mal versuchen, ihren Fußball-Diktator auch nur anzukratzen. Es ist in meinen Augen eine wesentliche Aufgabe der nationalen Verbände, energisch für Transparenz und gerechtes Handeln ihres Dachverbands einzutreten.

    Gefällt mir

  9. Die Liste der Probleme in Bezug auf das Thema FIFA ist schier unendlich lang. Zu lang, als dass man sie hier in Kommentaren aufarbeiten könnte.
    Doch auch ich wage mal den Versuch, Probleme zu diskutieren und Lösungsvorschläge zu entwickeln.

    1. Der Fisch stinkt vom Kopf her.
    Blatter muss weg! Die Liste seiner Vergehen in den vergangenen Jahrzehnten (da steigt schon das Entsetzen in mein Gesicht) ist so lang und vielschichtig, dass er als normaler Politiker schon längst haltlos gewesen wäre. Und sei es im korruptesten Land der Welt. Irgendwann stolpert man über so etwas, ganz gleich ob Vetternwirtschaft, Untreue, Korruption, oder, oder, oder…
    Her muss ein neuer Verbandschef, der sauber und vertrauenswürdig ist. Am Besten einer, der eine gute Karriere hinter sich hat, aber keinesfalls ein Greis ist. Und am Besten einer, der in den letzten 3-4 Jahren kein exorbitant wichtiges Amt in der FIFA selbst innehatte.
    Denn durch die ganze Affäre ist das Grundvertrauen in die FIFA beschädigt und einer „aus den eigenen Reihen“ à la Monsieur Platini ist absolut unpassend.

    2. Verbände müssen den Großsponsoren folgen.
    Coca-Cola, McDonald’s und Co. haben einen guten Schritt gewagt und Blatter zum Rücktritt aufgefordert. Es mag PR sein, es mag ehrliche Bestrebung sein – sie möchten nicht Teil des Systems FIFA sein und das wichtigste Fußballturnier der Welt sponsorn, solange dieser Mann an der Spitze ist. Aus den bestehenden Verträgen und Verpflichtungen herauszukommen ist sicherlich schwierig, solange Blatter keinerlei Taten nachgewiesen wurden. Aber den medialen Druck, den die Großsponsoren erzeugen (können) sollte man auf jeden Fall lobend hervorheben.
    Doch gleichzeitig stellt sich die Frage: was ist mit Firmen wie Adidas? Warum schweigen die zu diesem Thema? Sie verhalten sich leider genauso wie der größte nationale Verband der Welt (der DFB) und der bedeutendste (die FA): sie tun nichts und schweigen. Warum nur? Aus Angst vor Sanktionen, oder weil sie selber mit der FIFA unter einer Decke stecken? Ich denke an Ersteres.
    Aber wenn der Karren im Dreck steckt, bringt es doch nichts, darauf sitzen zu bleiben.
    Vielleicht spinne ich jetzt herum, aber mal so gefragt: wer sagt eigentlich, dass es eine FIFA braucht, um eine Weltmeisterschaft auszutragen?
    Wenn sich die zehn bis zwanzig größten und bedeutendsten Verbände zusammenschließen und die WM boykottieren und stattdessen selber ein Turnier organisieren, ist der WM doch die Strahlkraft genommen. Seien wir doch ehrlich: die allermeisten Fußballfans würden ein Spiel Argentinien gegen Portugal doch Tuniesien gegen Honduras bevorzugen.

    3. System der FIFA reformieren.
    Das Problem, wie bei allen großen internationalen Sportverbänden ist ja: sie sind irgendwann einmal gegründet worden und haben seitdem eine Monopolstellung inne. Das gilt für sämtliche Sportarten. Ich kenne keinen Sport, in der es zwei annähernd gleich starke Großverbände gibt.
    Und dass Verbände dann auch gar nicht genug Macht bekommen können, ist auch keine Neuentdeckung. Doch da das System der FIFA von oben (Blatter) bis ganz unten (Mitgliedsstaaten) derart fehlerhaft ist, bedarf es einer kompletten „Reinigung“. Und das von extern.
    Nicht von irgendwelchen Ethikkomissionen oder Exekutivkomitees, nein.
    Die Arbeit der Amerikanischen und der Schweizer Behörden ist ein guter Grundstein. Auf die Frage, wer genau da mal aufräumen könnte, weiß ich leider keine Antwort. Dazu kenne ich mich im internationalen Recht und mit den Einflussmöglichkeiten externer Institutionen oder Personen bei Sportverbänden zu wenig aus. Aber Fakt ist: es ist vollkommen sinnlos, dass sich die FIFA selbst reinigt. Dazu stecken einfach zu viele unterschiedliche Personen mit ganz eigenen Interessen unter der Hülle dieses Namens.
    Auch da wären wieder die nationalen Verbände gefordert: es gäbe sicherlich genug fähige Leute an der Spitze oder in den Gremien dieser, die das Heft des Handelns in die Hand nehmen könnten. Möglichkeiten gibt es genug, es muss bloß jemand machen.

    4. Geld regiert die Welt – und den Fußball.
    Das Generalproblem ist und bleibt das (zu viele) Geld. Ein Verband mit zwei Millarden Dollar auf der hohen Kante: das sagt doch schon alles. Und das obwohl es eine Non-Profit-Organisation ist…dass ich nicht lache! Es ist zu viel Geld im Fußballgeschäft im Spiel, als dass keine kriminellen Machenschaften damit verbunden sein könnten. Mal ganz abgesehen von den horrenden Ablösesummen für etwaige (vermeintliche) Mega-Stars, gibt es auch sonst auf allen Ebenen zu viele fliegende Geldscheine.
    Vor allem fehlt für all‘ das eine Bemessungsgrundlage und vor allem eine Verhältnismäßigkeit: um es mit Christoph Kramer zu sagen „kein Mensch der Welt ist 80 Millionen Euro wert“.
    Aber das dieses Problem irgendwie gelöst wird, ist sehr unwahrscheinlich. Dazu müsste die große Fußballblase platzen. Und man weiß ja auch gar nicht, ob hier nicht auch mit virtuellem Geld gespielt wird.

    Allgemein noch dazu:
    Als fußballverrückter Außenstehender ist es ohnehin unglaublich schwierig, in das System FIFA hineinzublicken, Probleme exakt zu beurteilen und Lösungsvorschläge zu entwickeln.
    Ich kann nur betonen, dass es sich hier um meine Sicht der Dinge handelt und ich keine Garantie dafür übernehme, dass ich damit bei Allen auf Zustimmung treffe oder geschweige den Masterplan vorgelegt habe.
    Was uns im Zweifel aber bleibt, ist der Zynismus und der Humor. Aus diesem Grund möchte ich euch drei Videos nicht vorenthalten. Wer es mit der Englischen Sprache hält, sollte sich das unbedingt ansehen. Sie sehen: John Oliver in seiner amerikanischen Show „Last Week Tonight“, in etwa das Äquivalent zur „heute-show“.
    Video 1 (13 Minuten Dauer): https://www.youtube.com/watch?v=DlJEt2KU33I
    Video 2 (13 Minuten Dauer): https://www.youtube.com/watch?v=qr6ar3xJL_Q
    Video 3 (3 Minuten Dauer): https://www.youtube.com/watch?v=rkdvawW6Vzw

    Gefällt 1 Person

  10. Moin Hoobs, moin Broxi, liebe Freunde des gepflegten Fußballs,

    wir können noch so viel über Ungerechtigkeiten und Korruption klagen. Wir können schreien, wie ungerecht die Fußballwelt der FIFA und UEFA doch ist. Es wird nichts nützen solange der geneigte Fußballfan noch zu einem Länderspiel ins Stadion fährt und damit das System unterstützt. Es ändert sich nichts, solange eine WM/EM eine entsprechend hohe Einschaltquote im TV hat und die werbenden Produkte gekauft/unterstützt werden. Es geht schließlich um Geld und nicht mehr um den Sport!! Das einzige Mittel ist meiner Meinung nach der Liebesentzug zum Produkt. KEIN Publik-Viewing, KEIN WM Schal, KEIN WM Trikot!! KEINE WM aus Russland oder Katar anschauen usw. Aber, wer macht und WILL das schon?

    Ich nicht, da bin ich ehrlich! Und wohl auch kaum ein Anderer! Also wird alles so weitergehen!!

    Gefällt mir

  11. Ich frage mich, wie weit diese Armada an Korruption und Vetternwirtschaft entfernt ist von der Spielmanipulation auf höchster Ebene. Wenn so viel Macht und Geld vorhanden ist, warum nicht auch Spielausgänge aufgrund übergeordneter wirtschaftlicher Interessen beeinflussen?

    Gefällt mir

  12. Ich teile den hier verbreiteten Pessimismus: Zum FIFA-Umsturz ist es doch nur gekommen, weil am Ende die Sponsoren ihre Macht ausgeübt haben, nicht weil sich Ethikkommissionäre oder protestierende Fußballfreunde durchgesetzt haben. Die FIFA ist nicht die höchste Dachorganisation jedes Zehnjährigen, der im Verein spielt oder der Interessenvertreter der Dorfamateurtruppe einer Karibikinsel, sondern ein Instrument von Coca Cola, Adidas & Co. Es geht um Geldverdienen – ein Prinzip, das in Genf allerdings meisterlich kultiviert wurde. Wer sollte Blatter nachfolgen? – Integre Kandidaten müssten sich gegen ein System zur Wehr setzen, das zweifellos nicht nur in den Führungsetagen korrupt ist bzw. die Korruption zumindest akzeptiert, das trifft in meinen Augen beispielsweise auch auf den DFB zu. Kandidaten aus den eigenen Reihen, also aus den Fußballverbänden, müssen immer mit dem Makel ans Werk gehen, gegen Blatter & Co nicht energisch eingetreten zu sein und ihn damit unterstützt zu haben. Und außerhalb der Fifa kann ich mir beim besten Willen keinen Menschen vorstellen, der a) genug Führungsqualität, b) unternehmerische Kompetenz, c) Fachverstand und d) moralische Instanz aufweist, ein solches Amt angemessen zu bekleiden.

    Gefällt mir

  13. Dass Sepp Blatter „Dreck am Stecken“ hat, dürfte nun wirklich Niemanden überraschen, der sich auch nur für 5 Prozent für Fussball interessiert. Dass er nun so massiv Ärger mit der Justiz bekommt, wundert zumindest mich schon eher. Man darf gespannt sein ob nur die Spitze des Eisbergs auftaucht, oder ob man tatsächlich in der Lage ist den gesamten Sumpf trocken zu legen.
    Ich bin da äusserst skeptisch.
    Wenn man Blatter nennt, muss man meiner Meinung nach in diesem Zusammenhang auch Michele Platini nennen. Und das sage ich nicht erst seit der 90 Tage Suspendierung. Spätestens mit dem Verzicht zur Gegenkandidatur zum FIFA Präsidenten von Platini, war mir klar, dass der das nicht ohne Grund / freiwillig gemacht hat. Ich bin sehr gespannt was man beim noch UEFA-Präsidenten alles aufdeckt. Es heißt zwar, „Wenn zwei das Gleiche tun ist es zwar noch lange nicht Dasselbe“, in diesem Fall würde ich da aber doch eine Ausnahme machen. Zu sehr sind die Beiden, wie sich jetzt anscheinend herausstellt, miteinander verbunden.
    Den Sumpf wirklich trocken legen können nur die Beiden. Allen voran tatsächlich wohl nur Blatter selber. Meine Hoffnung liegt darin, dass man es schafft ihn so sehr unter Druck zu setzen, dass er, um seine persönlichen Konsequenzen so gering als möglich zu halten, tatsächlich auspackt und Ross und Reiter nennt.
    Wenn man sich einmal vor Augen führt, wer sein Vorgänger war, wie, bzw. durch wessen Bestreben Blatter zur FIFA kam, wie schnell er dann Generalsekretär und dann Präsident wurde, muss sich über nichts, aber auch wirklich gar nichts mehr wundern. Auch nicht dass eine Firma wie ADIDAS, anders als CocaCola oder McDonald nicht überlegt das Sponsoring bei der FIFA einzustellen.

    Ihr fragtet ob der nationale, oder internationale Fussball auch ohne FFIFA, UEFA, oder DFB eine Chance hat.
    Genauso wie die Olympischen Spiele wird auch der Fussball nicht tot zu kriegen sein. Dazu ist die Popularität auf der ganzen Welt viel zu groß. Und mit dieser Popularität kann man einfach viel zu viel Geld verdienen. So viele Köpfe kann man gar nicht „abschlagen“, als dass nicht mindestens zwei, von sieben will ich gar nicht reden, nachwachsen.
    Um nationale und internationale Wettbewerbe austragen zu können, die Regeln weltweit dieselben sind, sind Verbände leider Gottes ein notwendiges Übel.
    Ich würde mir wünschen dass ein System gefunden wird, dass es einzelnen Personen, oder Personengruppen so schwer als möglich gemacht wird im eigenen Interesse zu handeln.
    Um einen Vorschlag zu machen wie es künftig bei den Verbänden weitergehen könnte.
    Vielleicht wäre es eine Möglichkeit die Legislaturperiode zeitlich zu begrenzen. So dass ein Präsidium nur maximal für zwei Amtszeiten gewählt werden kann. Oder aber man rotiert die Verbände einfach durch. Man findet einen möglichst gerechten Schlüssel, dass in einem gewissen Turnus jeder stimmberechtigte Fussballverband, meinetwegen auch aufgeteilt auf die Kontinentalverbände, einmal für eine Periode den Vorsitz übernimmt.

    So oder so, es muss jeder Stein umgedreht und rücksichtslos ausgemistet werden. Und das nicht nur bei der FIFA und UEFA, nein bitte auch beim DFB! Denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dort alles klinisch sauber ist. Ich denke da nur an die Vergabe zur WM 2006, als bei der Abstimmung plötzlich Jemand nicht vom Klo runter kam!
    Ich habe fertig! 🙂

    Servus,
    Fossi

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s