Schuster, bleib bei deinen Lilien

sv darmstadt wappenAm Mittwoch hat Dirk Schuster also tatsächlich den SV Darmstadt um „Freigabe“ aus seinem Vertrag gebeten, weil er eine Anfrage des FC Augsburg hat. Das Gerücht, Schuster könne auf einen eventuell frei werdenden Platz in Augsburg schielen, waberte ja schon einige Wochen durch den Raum. Allerdings hatte ich die Woche zuvor noch damit zugebracht, in den Sozialen Netzwerken manche teils schon hysterischen Fans genervt darauf hinzuweisen, dass man nicht immer alles glauben soll, was Medien in Transferzeiten schreiben. Und dass, mal ehrlich, Schuster bestimmt nicht jetzt gehe. Schließlich gab es eindeutige Statements. Und was soll ein Verein oder ein Trainer jeden Tag aufs Neue Dementis verfassen, die im Zweifelsfall dann doch wieder im Munde herumgedreht werden („Der Verein sah sich bemüßigt, ein Dementi zu verfassen, was auf Nervosität hindeutet…“)?

Umso überraschter war ich also am Mittwoch.

Nun ist eine Bitte um Freigabe noch kein Weggang. Theoretisch kann der Verein immer noch „Nein“ sagen. Wie Schuster ja selbst zuletzt immer betonte: Er hat Vertrag bis 2018, und die Ausstiegsklausel, die angeblich existiert haben soll, bezog sich offenbar (ebenso angeblich) nur auf den Fall des Abstiegs. Die offizielle Vereinsaussage vonseiten des SV Darmstadt 98 lautet ja nun, man werde sich „in aller Ruhe und mit der gebotenen Seriosität“ mit Schusters Antrag auseinandersetzen.

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Der Böllenfalltoreffekt

sv darmstadt wappenJeder Fan hofft wohl insgeheim bei jedem Spiel, dass sein Club siegen wird, aber hätte der SV Darmstadt zu diesem Zeitpunkt, sagen wir, zwei Punkte erspielt – die Lilienfans würden vermutlich die Schulter zucken und sagen: „War zu erwarten. Bundesliga eben.“ Stattdessen aber sieht alles ganz anders aus: 9 Punkte haben die Darmstädter nach sechs Spieltagen auf dem Konto. Siege gegen Bremen und Leverkusen, Unentschieden gegen Schalke, Hannover und Hoffenheim. Nur die Bayern waren eine Nummer zu groß.

Wie haben sie das geschafft?

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1898 Zeichen zum SV Darmstadt

sv darmstadt wappenZur Zeit werden überall Tabellen prognostiziert. Eines haben sie fast alle gemeinsam: Der SV Darmstadt 98 wird auf den 18. Platz getippt. Unter den Bundesliga-Zwergen der vergangenen Jahre (Fürth, Braunschweig, Paderborn) ist Darmstadt so etwas wie der Bundesliga-Hobbit.

Dafür spricht auch einiges. Die Tatsache, dass die Lilien schon in der Zweiten Liga als Absteiger galten. Dass sie mit Brégerie (zu Ingolstadt), Balogun (zu Mainz) und Behrens (zu Nürnberg) drei Eckpfeiler ihrer Verteidigung verloren haben – und die Defensive eigentlich Prunkstück war. Der kleinste Etat. Die Strukturen des Vereins mit ehrenamtlichen Helfern und Tribünen, auf denen Gras wächst. Der eher biedere Spielstil: Hinten dichtmachen, lange Bälle nach vorne und auf Standards hoffen.

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Pokerpartie um Petersen

scfHabemus Papam. Peterpam. Petersen. Für SC-Fans, die sich in Sozialen Netzwerken herumtreiben und generell Nachrichten und Gerüchte online aufsaugen, war es heute tatsächlich so, als würde weißer Rauch aufsteigen. Und ungefähr in der Größenordnung eines neuen Papstes ist, glaubt man den Reaktionen, auch die Meldung einzuordnen: Nils Petersen wechselt zum SC Freiburg. Nachdem der einst als Talentwunderstürmerhoffnung zum FC Bayern gekommene Petersen ja schon vergangene Saison für sechs Monate von Werder Bremen ausgeliehen war, unterzeichnet er nun einen offiziellen Vier-Jahres-Vertrag und macht im Breisgau weiter. Bei einem Zweitliga-Verein.

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Das kurioseste Stadion der Liga

sv98Das Böllenfalltor, oder, wie es laut Sponsorenname mittlerweile heißt, das „Merck-Stadion am Böllenfalltor“, wirkt nicht nur wie aus der Zeit gefallen – es ist tatsächlich ein Stadion, das man wahlweise als „Ort für Fußballromantiker“ beschreiben könnte, oder als „Das meinen die doch nicht ernst, dort zu spielen, oder?“ Viele der Stehplätze bröckeln vor sich hin, es gibt überhaupt nur eine überdachte Tribüne, die Gegengerade ist mehr oder weniger „in den Hang“ hinein gebaut, und dass die Duschen gelegentlich kalt sind ging mittlerweile wohl durch die gesamte nationale Presse. Viele fragen sich aktuell: Darf Darmstadt da überhaupt Bundesliga spielen? Die Antwort: Ja.

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Abstieg

scf Seinen Verein sucht man sich nicht aus. Und wenn, dann nicht mit Hilfe einer vollausgeklügelten Analyse. Als ich mich in den 90ern entschieden habe, Freiburg-Fan zu sein, ging es nicht darum, dass es ein „besonders sympathischer“ Verein ist. Um genau zu sein, weiß ich gar nicht mehr, was konkret der Ausschlag war. Vielleicht das Underdog-Image. Vielleicht schon damals das Versprechen, dass hier Fußball gespielt wird, im wahrsten Sinne des Wortes, zelebriert. Frech, offensiv, gleichzeitig mit einem taktischen Unterbau, der damals der Mehrheit der Bundesliga-Vereine abging. Das meiste davon hätte ich damals vermutlich gar nicht in Worte fassen können. Es war ein Gefühl. Eine Emotion. Seinen Verein sucht man sich nicht aus, man wird zu ihm hingezogen. Um in der Metapher zu bleiben: Die „Heirat“ mit dem SC vollzog sich, als ich in Freiburg studierte, mein Wohnheim fünf Fußminuten vom Stadion entfernt. Schon damals habe ich eine komplette Zweitliga-Saison mitgemacht.

Eine Totalkatastrophe

Die Zweitliga-Saison 2002/03 war kurz, glorreich. Ein Jahr Zweite Liga, siegreich durch die Saison gestürmt, Wiederaufstieg. So macht Abstieg Spaß. Wenigstens mal wieder Siege am Band, die Tickets werden billiger, das Bier auch, und man kann auch noch kurzfristig für Freunde Karten organisieren, weil ich die Topspiele nicht monatelang vorher ausverkauft sind. Ich höre und lese in Foren, auf Twitter und in meinem Umfeld immer häufiger, nach dem ersten Schock: „Ach, so langsam freunde ich mich mit dem Gedanken an, dann rocken wir eben die Zweite Liga.“

Ich halte diesen Gedanken für naiv. Ich teile ihn nicht.

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