1898 Zeichen zum SV Darmstadt

sv darmstadt wappenZur Zeit werden überall Tabellen prognostiziert. Eines haben sie fast alle gemeinsam: Der SV Darmstadt 98 wird auf den 18. Platz getippt. Unter den Bundesliga-Zwergen der vergangenen Jahre (Fürth, Braunschweig, Paderborn) ist Darmstadt so etwas wie der Bundesliga-Hobbit.

Dafür spricht auch einiges. Die Tatsache, dass die Lilien schon in der Zweiten Liga als Absteiger galten. Dass sie mit Brégerie (zu Ingolstadt), Balogun (zu Mainz) und Behrens (zu Nürnberg) drei Eckpfeiler ihrer Verteidigung verloren haben – und die Defensive eigentlich Prunkstück war. Der kleinste Etat. Die Strukturen des Vereins mit ehrenamtlichen Helfern und Tribünen, auf denen Gras wächst. Der eher biedere Spielstil: Hinten dichtmachen, lange Bälle nach vorne und auf Standards hoffen.

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Abstieg

scf Seinen Verein sucht man sich nicht aus. Und wenn, dann nicht mit Hilfe einer vollausgeklügelten Analyse. Als ich mich in den 90ern entschieden habe, Freiburg-Fan zu sein, ging es nicht darum, dass es ein „besonders sympathischer“ Verein ist. Um genau zu sein, weiß ich gar nicht mehr, was konkret der Ausschlag war. Vielleicht das Underdog-Image. Vielleicht schon damals das Versprechen, dass hier Fußball gespielt wird, im wahrsten Sinne des Wortes, zelebriert. Frech, offensiv, gleichzeitig mit einem taktischen Unterbau, der damals der Mehrheit der Bundesliga-Vereine abging. Das meiste davon hätte ich damals vermutlich gar nicht in Worte fassen können. Es war ein Gefühl. Eine Emotion. Seinen Verein sucht man sich nicht aus, man wird zu ihm hingezogen. Um in der Metapher zu bleiben: Die „Heirat“ mit dem SC vollzog sich, als ich in Freiburg studierte, mein Wohnheim fünf Fußminuten vom Stadion entfernt. Schon damals habe ich eine komplette Zweitliga-Saison mitgemacht.

Eine Totalkatastrophe

Die Zweitliga-Saison 2002/03 war kurz, glorreich. Ein Jahr Zweite Liga, siegreich durch die Saison gestürmt, Wiederaufstieg. So macht Abstieg Spaß. Wenigstens mal wieder Siege am Band, die Tickets werden billiger, das Bier auch, und man kann auch noch kurzfristig für Freunde Karten organisieren, weil ich die Topspiele nicht monatelang vorher ausverkauft sind. Ich höre und lese in Foren, auf Twitter und in meinem Umfeld immer häufiger, nach dem ersten Schock: „Ach, so langsam freunde ich mich mit dem Gedanken an, dann rocken wir eben die Zweite Liga.“

Ich halte diesen Gedanken für naiv. Ich teile ihn nicht.

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Schwäbisches Schicksalsjahr

Der Verein mal wieder tief im Abstiegskampf, Armin Veh und Fredi Bobic weg, Robin Dutt als Sportdirektor im Anflug, Huub Stevens als Retter schon da, ein Präsident der von der Champions League und Sami Khedira träumt und 80 Millionen, die alle Probleme lösen sollen – das Jahr 2015 könnte für den VfB Stuttgart in seiner über 120-jährigen Vereinsgeschichte zum Schicksalsjahr werden.

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Saisonziel: Zwölfter Platz

scf Es klingt wie ein Klischee. „Ich freue mich über den Klassenerhalt.“ Schlimmer noch: Es klingt erschreckend unambitioniert. Welches geringere Ziel könnte man schließlich formulieren? Es wird kaum einen Fußballfan geben, der sagt: „Ich freue mich über den Abstieg. Abstieg ist mein Mindestziel.“ Und trotzdem, ich sage es hiermit: Ich freue mich über den Klassenerhalt.

In Ordnung, machen wir es ambitionierter: Mein Saisonziel wäre der 12. Platz. Klingt noch schrecklicher, oder? Wo „Klassenerhalt“ wenigstens noch nach Abstiegskampf schreit, nach Blut, Schweiß, Tränen und am Ende einem geschundenen, jubelnden Menschen, der als glücklicher Überlebender einer brutalen Keilerei um die hintersten Tabellenplätze über den zertretenen Rasen humpelt, da klingt „12. Platz“ nach Niemandsland. Nach gähnender Langeweile. Was für ein Ziel kann es sein, im Mittelfeld landen zu wollen. Wie langweilig ist das denn?
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