Pokerpartie um Petersen

scfHabemus Papam. Peterpam. Petersen. Für SC-Fans, die sich in Sozialen Netzwerken herumtreiben und generell Nachrichten und Gerüchte online aufsaugen, war es heute tatsächlich so, als würde weißer Rauch aufsteigen. Und ungefähr in der Größenordnung eines neuen Papstes ist, glaubt man den Reaktionen, auch die Meldung einzuordnen: Nils Petersen wechselt zum SC Freiburg. Nachdem der einst als Talentwunderstürmerhoffnung zum FC Bayern gekommene Petersen ja schon vergangene Saison für sechs Monate von Werder Bremen ausgeliehen war, unterzeichnet er nun einen offiziellen Vier-Jahres-Vertrag und macht im Breisgau weiter. Bei einem Zweitliga-Verein.

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Abstieg

scf Seinen Verein sucht man sich nicht aus. Und wenn, dann nicht mit Hilfe einer vollausgeklügelten Analyse. Als ich mich in den 90ern entschieden habe, Freiburg-Fan zu sein, ging es nicht darum, dass es ein „besonders sympathischer“ Verein ist. Um genau zu sein, weiß ich gar nicht mehr, was konkret der Ausschlag war. Vielleicht das Underdog-Image. Vielleicht schon damals das Versprechen, dass hier Fußball gespielt wird, im wahrsten Sinne des Wortes, zelebriert. Frech, offensiv, gleichzeitig mit einem taktischen Unterbau, der damals der Mehrheit der Bundesliga-Vereine abging. Das meiste davon hätte ich damals vermutlich gar nicht in Worte fassen können. Es war ein Gefühl. Eine Emotion. Seinen Verein sucht man sich nicht aus, man wird zu ihm hingezogen. Um in der Metapher zu bleiben: Die „Heirat“ mit dem SC vollzog sich, als ich in Freiburg studierte, mein Wohnheim fünf Fußminuten vom Stadion entfernt. Schon damals habe ich eine komplette Zweitliga-Saison mitgemacht.

Eine Totalkatastrophe

Die Zweitliga-Saison 2002/03 war kurz, glorreich. Ein Jahr Zweite Liga, siegreich durch die Saison gestürmt, Wiederaufstieg. So macht Abstieg Spaß. Wenigstens mal wieder Siege am Band, die Tickets werden billiger, das Bier auch, und man kann auch noch kurzfristig für Freunde Karten organisieren, weil ich die Topspiele nicht monatelang vorher ausverkauft sind. Ich höre und lese in Foren, auf Twitter und in meinem Umfeld immer häufiger, nach dem ersten Schock: „Ach, so langsam freunde ich mich mit dem Gedanken an, dann rocken wir eben die Zweite Liga.“

Ich halte diesen Gedanken für naiv. Ich teile ihn nicht.

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Über die Physiognomie von Vereinsliedern

Fußballlieder fallen für mich unter zwei Kategorien: Die einen versuchen möglichst einfallsreich zu beschreiben, warum der eigene Verein besser, aufregender, liebenswürdiger und kultiger ist als alle anderen. Die anderen legen vor allem Wert darauf, dass man sie auch nach dem sechsten Bier noch fehlerfrei mitsingen kann. Was in einem überproportionalen Gebrauch von Worten wie „Tor!“, „Meister!“ oder „lalala!“ endet. Oder anders gesagt: Die Lieder der zweiten Kategorie sind im Grunde austauschbar – aber machen dafür umso mehr Spaß.

Interessanterweise haben die zwei deutschen Vereine, denen ich aktuell die Daumen drücke, jeweils sehr typische Vertreter einer dieser Kategorien. Also: Sezieren wir das aktuelle Vereinslied des SC Freiburg, und das Urgestein-Lied des SV Darmstadt. Und schauen wir, ob es einen Punktsieger gibt…

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Freiburg: 5 Erkenntnisse aus dem ersten Spieltag

scf Es gibt ein immer wieder neu zu beobachtendes Schauspiel am ersten Bundesliga-Spieltag: Fast alle Vereine spielen irgendwie noch etwas rostig, schwer in den Beinen und selten wirklich überzeugend. Die Sieger-Trainer des Auftaktspiels sagen dann: „Das Wichtigste ist, dass wir hier drei Punkte mitgenommen haben“, und die Verlierer-Trainer sagen: „Das Wichtigste ist, dass ich heute ein paar sehr interessante Fortschritte gesehen habe.“ Der SC Freiburg gehörte also dieses Jahr zur zweiten Kategorie. 0:1 in Frankfurt verloren, gegen eine Eintracht, die noch rostig und demzufolge froh war, drei Punkte mitgenommen zu haben. Für den SC bleiben nur die interessanten Erkenntnisse. Fünf davon jetzt hier.
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Mike Frantz ist nicht Maik Franz

scfAlso gut, ich gestehe: Als ich in der Sommerpause gehört habe „Mike Frantz wechselt zum SC Freiburg“, dachte ich zuerst auch spontan an seinen gleichlautenden Namensvetter Maik, und vor allem dachte ich: „Hää? Was wollen wir denn mit dem?“ Insofern mache ich da niemandem einen Vorwurf. Wenn jetzt aber sogar schon unser aller Lieblings-Fußball-Experte samt Moderator drauf reinfällt (zumindest zeitweise), ist vielleicht doch eine Klärung angebracht.

Mike Frantz ist nicht Maik Franz.

Maik ist der zweikampfstarke Beißer, dem gerne mal unterstellt wird, einen Zacken zu hart zuzulangen. Unterstellt „wurde“ muss man eigentlich fast sagen, denn aktuell ist Maik Franz vertragslos, nachdem er in der Saison 2013/14 kein einziges Spiel mehr für die Hertha gemacht hat, und im Winter in die Regionalliga-Mannschaft versetzt wurde (und auch dort nur zweimal zum Einsatz kam). Gut, er ist auch schon 33.
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Saisonziel: Zwölfter Platz

scf Es klingt wie ein Klischee. „Ich freue mich über den Klassenerhalt.“ Schlimmer noch: Es klingt erschreckend unambitioniert. Welches geringere Ziel könnte man schließlich formulieren? Es wird kaum einen Fußballfan geben, der sagt: „Ich freue mich über den Abstieg. Abstieg ist mein Mindestziel.“ Und trotzdem, ich sage es hiermit: Ich freue mich über den Klassenerhalt.

In Ordnung, machen wir es ambitionierter: Mein Saisonziel wäre der 12. Platz. Klingt noch schrecklicher, oder? Wo „Klassenerhalt“ wenigstens noch nach Abstiegskampf schreit, nach Blut, Schweiß, Tränen und am Ende einem geschundenen, jubelnden Menschen, der als glücklicher Überlebender einer brutalen Keilerei um die hintersten Tabellenplätze über den zertretenen Rasen humpelt, da klingt „12. Platz“ nach Niemandsland. Nach gähnender Langeweile. Was für ein Ziel kann es sein, im Mittelfeld landen zu wollen. Wie langweilig ist das denn?
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